Hinckley zum zweiten Mal bei Larry King

Die drei weisen Männer. So die Bezeichnung von Larry King, Gastgeber des Weihnachtsspecials von CNN, über seine drei Gäste.

Dies waren "Präsident Gordon Hinckley, Mormonen Kirche" (so in der Internetankündigung, in der Sendung dann Church of Christ of Latter-Day Saints), Friedensnobelpreisträger und Erzbischof Desmond Tutu (Südafrika) und Rev. Robert Schuller (Erbauer der "Kristall Kathedrale", Ausrichter der "Hour of Power", sonntags auf NBC. Gesendet wurde am 24.12.99 aus dem "Tabernakel" der Mormonen, Salt Lake City.

Tutu und Schuller konzentrierten sich eher auf die "Friedensbotschaft", Hinckley pries seinen Tabernakel und dessen Chor an, und auf Anfrage von King, sein im März erscheinendes Buch Standing for Something: 10 Neglected Virtues That Will Heal Our Hearts and Homes (Für etwas einstehen: 10 vernachlässigte Tugenden die unser Herz und unsere Heime heilen werden, vorbestellen bei amazon.com !!!!) Ach, laut Hinckley schafft man dies übrigens, indem man: "... ehrlich, aufrecht ist, Männer und Frauen mit Integrität sind, die Glauben haben und beten, die zurückkehren zu den Tugenden, die Amerika groß gemacht haben." Antreten Familie Field: US Fahne raus, eins ... zwei ... Oh, say can you see ... Tut schon weh. Da bleibe ich lieber beim Union Jack, "God save our gracious Queen" und Cool Britannia. Wir sind eh ehrlich, haben Rückgrat und Integrität. Brauchen kein Buch, welches uns lehrt wie. Handeln und pflanzen Apfelbäumchen auch ohne Gebet. Amerika ist eh groß genug. Mann, da kriegst Du die Tür nicht zu. Kam mir schon fast vor wie in einer NDR3 Talkshow ... "Leute hier ist ein Buch für die Doofen, das müßt ihr alle noch koofen").

Schuller beeindruckte, als er mitteilte, daß der Islamische Großmufti der Jerusalemer Moschee ihn zum Predigen nach Jerusalem eingeladen hatte. Hatte jemand Hinckley eingeladen? Schuller sprach anschließend davon, daß "...wir im nächsten Jahrhundert damit beschäftigt sein werden, die Verunreinigung innerhalb der Religion zu beseitigen."

Tutu sprach über das "Parlament der Religionen", Unterdrückung, Ungerechtigkeit. Hinckley hingegen: "Die Dinge standen noch nie so gut wie heutzutage. Wir haben einen größeren Geist der Toleranz and Akzeptanz anderer Religionen." (nebenbei: natürlich sind die Mormonen nicht (!) Mitglieder des Parlaments der Religionen. Dann Mormonenlehre pur: "Wir müssen anerkennen, daß alle Männer und Frauen Söhne und Töchter Gottes sind." (Müssen wir? Da ist sie wieder, die typisch mormonische Alleinvertretungssprache: Wir müssen ...) "Wenn sie Söhne und Töchter Gottes sind, dann sind sie Brüder und Schwestern." (Mormonenlogik wieder pur: Du mußt akzeptieren, daß A=B ist, daher ist B=C). "Das Christentum hat nicht versagt. Es ist die größte Erfolgsgeschichte in der Geschichte dieser Welt." Ich beiß mir ja so auf die Zunge und kleb mir meine Finger auf den Tisch. Trotzdem nebenbei. Man beachte: Ein schneller Schwenk vom Mormonismus auf das Christentum (A=B, B= hat nicht versagt, C = die größte Erfolgsgeschichte aller Zeiten. Gut Gordon, you asked for it: Ein Blick in die Kirchengeschichte bezeugt Seite auf Seite, Grabstein auf Grabstein, Scheiterhaufen auf Scheiterhaufen, Schlachtfeld auf Schlachtfeld ... worin der größte Erfolg begründet ist. Da können sogar die Nazis nicht mithalten. Man sollte Gordon B. Hinckley das Eichenlaub mit Schwertern (Brillianten evtl. auch noch dazu?) verleihen.

Gefallen tut mir dann schon Schuller: "Wir sind in einer neuen Ära der menschlichen Beziehungen ... Über Jahrhunderte haben religiöse Führer ihre Anhänger indoktriniert. Indoktrination war das Bollwerk der Theologie und Religion. Diese Mauern sind nun eingerissen. Die Zeiten wo man Menschen indoktrinieren konnte sind vorbei." War Schuller mal in Salt Lake City?

Alle drei reden dann über Vergebung. Nach meiner persönlichen Meinung ist der einzige der in diesem Punkt kompetent ist Tutu, der "Gefährte" von Nelson Mandela. Natürlich kommt Hinckley wieder mit der "weisen" Einsicht: "Es ist unwahrscheinlich, daß man vergibt, wenn man dieses göttliche Gefühl nicht hat." Ja Gordon, alle Nichtmormonen, anschließend Nichtchristen, sind ganz gefährlich. Ach ja, Gordon schiebt noch einen hinterher, daß die Mormonen all jenen vergeben haben, die den HLT-Glauben einst "verfolgt" haben. Merkt er eigentlich nicht, wie er sich selbst beweihräuchert und es schon peinlich wirkt im Kontrast zu Schuller und Tutu? Nein, merkt er nicht. Sagt es ihm jemand? Ach, Herr, allein der Glauben fehlt mir. Aber trotzdem gut. Ich selbst denke, daß der denkende Mensch sich dann eher fragt: "Warum wurden denn die Mormonen verfolgt?" Darüber natürlich, außer den üblichen Märtyrerschmarri, kein Wort.

Dann natürlich der "kleine" geistige Riese Tutu, dessen Augen und Freude schon fast ansteckend sind (Schuller steht ihm darin kaum nach, während Gordon stets maskenhaft, marionettenhaft wirkt): "Das Christentum hat einige wundervolle Dinge getan, aber auch einige der entsetzlichsten Greuel, die die Welt je gesehen hat." Er ist nicht ferne von der Wahrheit. Man stelle sich einen solchen Satz von Hinckley vor. Neeeeeeeeeeeeeeeee ...

Hinckley hatte nichts besseres zu tun als die Hilfsarbeiten der Mormonen in Venezuela zu erwähnen und andere die gerade helfen. Nebenbei: Die Katholiken haben in Salt Lake City eine Armenküche eingerichtet, wo Arme und Obdachlose gespeist werden. Nicht die Mormonen. Schau mal aus dem Fenster Gordon, geht nicht, der Tabernakel hat keine.

Jugendprobleme und Gewalt? Tutu und Schuller sprechen darüber. Am besten gefällt mir Tutu: "... Amerika mißt den Wert eines Menschen am Erfolg." War da nicht kurz vorher was Mr. Hinckley? Tutu fasziniert mit den Worten, in bezug auf die Jugend: "... wir müssen darin noch vorsichtiger sein, Mitgefühl, eine sich wirklich kümmernde Gesellschaft zu sein, wo Menschen etwas Wert sind ... Dein eigener Wert ist in dir selbst. Wir sollten Menschen achten und unseren Kindern sagen wie fabelhaft sie sind, sie uns wichtig sind so wie sie sind, nur der Himmel ihre Grenze ist." Das ist eine Botschaft!

Schuller erwähnt noch, daß er nicht den "Gläubigen" predigt, nicht diese bekehren will, nur die "Ungläubigen." Hinckley schiebt auf Anfrage hinterher, er sei für beide da, womit er wohl die Mitglieder der HLT Kirche meint, aber auch die "Andern" (engl. gentiles), so Buch Mormon Sprache. Hinckley? Hat nichts besseres zu tun, als zu verkünden, daß hunderttausende junger Menschen in dieser Zeit leben, die davon nicht beeinflußt sind." Nicht mal eine Million??? Auf dem ganzen Globus??? Hat wohl nur die Missionare oder die Kirchenjugend (wahrlich, Eine starke Jugend) im Sinn. Nur diese wenigen "hunderttausend" sind "Elite". Es sind die, lt. Hinckley, "die Lehren Christi leben, sich selbst zu produktiven Mitgliedern der Gesellschaft machen." Produktiv!!! Meint er evtl. konstruktiv? Macht schon Probleme solch einen Müll zu übersetzen. Es ist zu bedenken, daß Hinckley hier nicht wie sonst üblich bei Generalkonferenzen der Mormonen, und auch bei anderen Ansprachen, wie alle "Generalautoritäten", die "Teleprompter" Bildschirme links und rechts vor sich hat. Diese geben ihm sonst immer seinen Redetext vor, welcher nur noch abgelesen werden muß. Vergiß den Islamischen, Jüdischen und sonstigen "Schrott", die sind nicht produktiv!

Interessant übrigens: Die kirchenunabhängige Zeitung Salt Tribune Tribune berichtet am 25.12 von "produktiv", die Kirchenzeitung Deseret News zitiert zwar Hinckley mit "produktiv", ändert den Text im redaktionellen Teil jedoch in "konstruktiv" um. Am Ende der Sendung hatte Larry King seinen 9-monatigen Sohn auf dem Schoß (wer hat schon bei einer Generalkonferenz miterlebt, daß eine Generalautorität seinen Sohn im Tabernakel auf dem Schoß hatte? Zugegeben, bei der alten Garde würde es grotesk aussehen, wen der, sagen wir 50-jährige Sohn auf dem Schoß sitzen würde). King's Sohn lachte in die Kamera und malte sich mit King's Filzstift (?) ins Gesicht. Hinckley wünschte King Junior mit ernstem Gesicht, daß auch dieser "produktiv" sein mag. Weiß er eigentlich noch was er redet?

Schuld am "Abgleiten" der Jugend? Klar. Mama und Papa. Mütter bleibt at home, Väter tragt den Zehnten in das Vorratshaus des Bischofs. Die Mission der Kirche lt. Hinckley zum Schluß: "Schlechte Menschen zu guten zu machen, gute zu noch besseren Menschen." Du bist schlecht mein Freund, ich mach Dich gut, danach noch besser. Oder anders gesagt: "Vertraue mir ..." Die Schlange Ka in Disney's Dschungelbuch, oder auch "Wir wollen alle bessssser werden." Die Ausbildungstrottel aus Police Academy, Teil 1.

Schade nur, daß Tutu die Sendung 20 Minuten früher verlassen mußte, um beim Gottesdienst der Washingtoner National Kathedrale anwesend zu sein.

Bleibt noch eins: Hinckley's "produktiv". Wie oben beschrieben, hat lt. Desert News "produktiv" in "konstuktiv" umgedeutet. Gesagt hat Hinckley jedoch "produktiv"! System dahinter? Ja, selbst der eigene "Prophet, Seher, Offenbarer und Nicht-genau-weiß-was-sagt-ich-denke-schon" wird zensiert und "redaktionell überarbeitet." Schon mitleiderregend.

James ... eins ... zwei ... "God shave our noble Gordon, long live our ..."

PS: Habe gerade eine E-Mail an die Deseret News laufen, mit welcher Berechtigung sie aus "productive" eigentlich "constuctive" macht. Fortsetzung folgt.