Wilmersdorfer Erklärung 1933

Ein beredtes Zeugnis dafür, dass die Zeugen Jehovas nicht immer so politisch neutral waren, wie sie sich heute geben und dass auch sie zu manch bemerkenswertem Zugeständnis gegenüber den Machthabern des Dritten Reiches bereit waren.


Dieser Kongreß deutscher Männer und Frauen, friedlicher und ordnungsliebender Bürger aus allen Teilen des Landes, die alle miteinander ernsthaft an dem höchsten Wohl des deutschen Volkes mitarbeiten, hat sich heute, den 25. Juni 1933, offiziell in Berlin versammelt und erklärt freudig seine völlige Ergebenheit gegenüber Jehova Gott, dem Allmächtigen, und seinem Königreich unter Christus Jesus, dessen vergossenes Blut die Menschheit erkauft hat. Wir bekennen, daß die Heilige Schrift, die Bibel, Gottes Wort ist, das den Menschen zur Unterweisung in Gerechtigkeit gegeben wurde, und daß dieses göttliche Wort die Wahrheit ist, die für den Menschen von größter Bedeutung ist, damit er über sein Verhältnis zu Gott Kenntnis erhalte. Wir berufen uns auf das Wort Gottes und möchten nach diesem Maßstabe beurteilt werden.

Christus Jesus ist Jehova Gottes großer Wahrheitszeuge, und als seine treuen und ergebenen Nachfolger sind wir durch seine Gnade Zeugen der Wahrheit. Der Zweck dieser Erklärung ist, den Führern und dem Volk ein wahres und aufrichtiges Zeugnis über den Namen und das Vorhaben Jehovas und über unsere Beziehungen dazu zu überreichen.

Wir sind fälschlicherweise bei den Regierungsbehörden und bei dem deutschen Volke angeschuldigt worden. Damit nun der Name Jehova Gottes in der Auffassung des Volkes erhöht und sein gütiger Ratschluß besser verstanden und unsere Stellung der Regierung gegenüber in rechter Weise dargelegt werden möchte, ersuchen wir hiermit die Führer und das deutsche Volk, die folgende Erklärung des wahren Sachverhalts gerecht und unparteiisch zu prüfen.

Die Schrift erklärt deutlich, daß Satan der Teufel, dessen Name auch Schlange und Drache ist, der Hauptgegner Jehova Gottes und der größte Feind der Menschheit ist. Es steht in der Schrift, daß Satan, der seit langem der unsichtbare Herrscher dieser Welt war, die Menschen über die Wahrheit täuscht und verblendet, damit das Licht über Jehova Gott und Christus Jesus nicht in ihre Herzen hineinscheint. (2. Korinther 4: 3, 4) Satan hat oft durch Betrug, List und Täuschung aufrichtige Menschen veranlaßt, sich gegenseitig zu bekämpfen, damit er sie alle von Gott entfremde und sie vernichte. Vor allen Dingen sollten die Menschen Jehova Gott und seine gütige Vorkehrung zu ihrem allgemeinen Wohlergehen kennenlernen.

JUDEN

Wenn in unserer Literatur der Ausdruck ,,Geistlichkeit" gebraucht wird, so bezieht sich dieser Ausdruck auf solche angeblichen Religionslehrer, Priester und Jesuiten, die unrechtmäßige politische Mittel anwenden, um ihre Zwecke zu erreichen, und die sogar ihre Kräfte verbinden mit solchen, die Gott und den Herrn Jesus Christus verleugnen. Das ist dieselbe Klasse, die Jesus als seine Verfolger bezeichnete. Wir üben keine Kritik an aufrichtigen Religionslehrern.

Als Jesus zu den Juden kam, um ihnen die Wahrheit kundzutun, war es die jüdische Geistlichkeit, das heißt die Pharisäer und Priester, die ihn heftig bekämpfte, ihn verfolgte, und die Ursache war, daß er aller möglichen Verbrechen und Sünden bezichtigt wurde. Sie weigerten sich, die Wahrheit zu hören, und Jesus richtete folgende Worte an sie: ,,Warum verstehet ihr meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt. Ihr seid aus dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun. Jener war ein Menschenmörder von Anfang und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil keine Wahrheit in ihm ist. Wenn er die Lüge redet, so redet er aus seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und der Vater derselben. Weil ich aber die Wahrheit sage, glaubet ihr mir nicht." (Johannes 8: 43-45) Obschon die Pharisäer und Priester damals vorgaben, Jehova Gott zu dienen, sagte ihnen Jesus, daß sie in Wirklichkeit Vertreter Satans des Teufel seien.

Wir haben keinen Streit mit irgend jemand, auch nicht mit Religionslehrern, jedoch müssen wir darauf aufmerksam machen, daß oft diejenigen, die vorgeben, Gott und Christus Jesus zu vertreten, unsere tatsächlichen Verfolger sind, die uns bei den Regierungen der Länder in falschem Lichte darstellen. Als wahre Nachfolger Christi Jesu haben wir solche Gegnerschaft zu erwarten, und wir erwähnen dies hier zur Erklärung, weshalb wir bei den Führern des Volkes in Verruf gebracht worden sind. Jesus sagte zu seinen treuen Nachfolgern: ,,Gedenket des Wortes, das ich euch gesagt habe: Ein Knecht ist nicht größer als sein Herr. Wenn sie [die falschen Religionslehrer] mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen. Wenn sie [die wahren Lehrer] mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten." (Johannes 15: 20) Des weiteren erklärte Jesus, daß dieselbe Gruppe von Menschen veranlassen würde, daß seine treuen Jünger bei der Staatsgewalt in falschen Verdacht gebracht werden würden. Seine Worte lauteten: ,,Ihr aber, sehet auf euch selbst, denn sie [falsche Religionslehrer] werden euch an Synedrien [Polizeigewalt] und an Synagogen überliefern; ihr werdet geschlagen und vor Statthalter und Könige gestellt werden um meinetwillen, ihnen zu einem Zeugnis [andere Übers.: zu einem Zeugnis wider sie]." (Markus 13: 9) Dies erklärt, warum Jehova Gott es jetzt geschehen läßt, daß seine treuen Zeugen in falschen Verdacht kommen und verfolgt werden, nämlich damit solche, die von einem falschen Geist beseelt sind, sich selbst als Feinde Gottes offenbaren und somit wider sich selbst Zeugnis ablegen.

Es ist von unseren Feinden fälschlich behauptet worden daß wir in unserer Tätigkeit von den Juden finanziell unterstützt werden. Dies ist absolut unwahr, denn bis zur gegenwärtigen Stunde ist auch nicht das geringste an Beitragen oder finanzieller Unterstützung für unser Werk von Juden geleistet worden. Wir sind treue Nachfolger Jesu Christi und glauben an ihn als den Heiland der Welt. Die Juden dagegen verwerfen Jesus Christus völlig und leugnen absolut, daß er der Welt Heiland ist, der von Gott zum Nutzen des Menschen gesandt wurde. Schon allein diese Tatsache sollte Beweis dafür sein, daß wir von den Juden nicht unterstützt werden und daß die Anschuldigungen gegen uns in böser Absicht vorgebracht wurden und falsch sind, und nur von Satan, unserem großen Feinde, herrühren können.

Das Anglo-Amerikanische Weltreich ist die größte und bedrückendste Herrschaft auf Erden. Hiermit ist das Britische Reich, wovon die Vereinigten Staaten Amerikas einen Teil bilden, gemeint. Es sind die Handelsjuden des Britisch-Amerikanischen Weltreiches, die das Großgeschäft aufgebaut und benutzt haben als ein Mittel der Ausbeutung und der Bedrückung vieler Völker. Diese Tatsache bezieht sich insonderheit auf die Städte London und New York als Hauptstützpunkte des Großgeschäfts. Dies ist in Amerika so offenbar, das es in bezug auf die Stadt New York ein Sprichwort gibt, das heißt: "Den Juden gehört die Stadt, die irischen Katholiken beherrschen sie, und die Amerikaner müssen zahlen." Wir haben mit den erwähnten Gruppen keinen Streit, sondern als Zeugen für Jehova und in Befolgung seiner in der Schrift niedergelegten Gebote müssen wir auf die Wahrheit hierüber aufmerksam machen, damit das Volk über Gott und sein Vorhaben aufgeklärt werden möchte.

UNSERE LITERATUR

Es ist gesagt worden, daß unsere Bücher und Schriften, wenn sie unter dem Volke verbreitet werden, die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Staates gefährden. Wir sind überzeugt, daß diese Schußfolge allein der Tatsache zuzuschreiben ist, daß unsere Bücher und Schriften von den Führern nicht sorgfältig geprüft und daher auch nicht richtig verstanden worden sind. Wir machen ergebenst darauf aufmerksam, daß diese Bücher und Schriften im Original in Amerika geschrieben wurden, und daß die Sprache dem offenen und direkten amerikanischen Stil entspricht, so daß sie in der deutschen Übertragung hart erscheint. Wir geben zu, daß dieselben Wahrheiten nicht so derb gesagt und in eine mildere Form gekleidet werden könnten. Die Sprache dieser Bücher entspricht jedoch genau der Redeweise der Bibel.

Man sollte daran denken, daß in dem Britischen Weltreich und in Amerika das allgemeine Volk gelitten hat und jetzt noch sehr leidet durch die Mißherrschaft des Großgeschäfts und der gewissenlosen Politiker; diese Mißherrschaft wurde und wird von politischen Religionsvertretern unterstützt, und darum waren die Schreiber unserer Bücher und unserer Literatur bemüht, eine offene Sprache zu führen, um dem Volke den rechten Gedanken und das rechte Verständnis zu vermitteln. Die angewandte Redeweise ist jedoch nicht so kräftig und deutlich wie diejenige, die Jesus Christus gebrauchte, als er die Bedrücker und falschen Lehrer seiner Zeit anklagte.

Die nationale Regierung hat sich nun deutlich ausgesprochen gegen die Bedrückung durch das Großgeschäft und gegen verkehrte religiöse Einflüsse in den politischen Angelegenheiten des Staates. Genau dies ist auch unsere Stellungnahme, und wir erklären ferner in unserer Literatur, warum das bedrückende Großgeschäft besteht, und warum der verkehrte politisch-religiöse Einfluß vorhanden ist; denn die Heilige Schrift erklärt deutlich, daß diese bedrückenden Werkzeuge vom Teufel herkommen, und daß die gänzliche Errettung davon in Gottes Königreich unter der Herrschaft Christi kommen wird. Es ist darum unmöglich, daß unsere Literatur oder unsere Tätigkeit in irgendeiner Weise die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Staates bedrohen oder gefährden kann.

Unsere Organisation ist keineswegs politisch; wir bestehen nur darauf, das Wort Jehova Gottes dem Volke zu lehren und dies ohne Behinderung tun zu können. Wir haben nichts dagegen und suchen auch niemand zu hindern, zu lehren oder zu glauben, was ihm beliebt. Wir erbitten jedoch die Freiheit, zu glauben oder zu lehren, was wir für biblische Lehre halten, und dann mag das Volk entscheiden, was es zu glauben wünscht. Es ist für jedermann von größter Wichtigkeit, Jehova Gott und seine gütige Vorkehrung für die Menschheit kennenzulernen, weil Gott in seinem Worte erklärt hat, daß, wo kein Gesicht oder kein Verständnis seines Wortes ist, ein Volk zügellos wird (and. Übersetzung: umkommt). (Sprüche 29:18) Wir haben alles, was wir sind und haben, unserer Aufgabe gewidmet, damit das Volk ein Gesicht oder Verständnis des göttlichen Wortes erhalten möchte. Es ist daher unmöglich, daß unsere Literatur und unsere Wirksamkeit die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Landes bedrohen könnte. Anstatt gegen die von der deutschen Regierung vertretenen Grundsätze eingestellt zu sein, treten wir vollkommen ein für diese Leitsätze, und weisen darauf hin, daß Jehova Gott durch Christus Jesus die gänzliche Verwirklichung dieser Grundsätze bringen, dem Volke Frieden und Wohlstand schenken und die höchsten Wünsche aller aufrichtigen Herzen erfüllen wird.

Unsere Organisation sucht weder finanziellen Gewinn noch Mitglieder, sondern sie ist eine organisierte Körperschaft christlicher Männer und Frauen, die lediglich in gemeinnütziger Weise damit beschäftigt sind, möglichst unentgeltlich dem Volke das Wort Gottes zu lehren. Unsere Gesellschaft wurde ursprünglich in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahre 1884 unter dem Namen ,,Watch Tower Bible and Tract Society" gegründet, und 1914 wurde die Gesellschaft nach englischem Gesetz unter dem Namen ,,International Bible Students Association" eingetragen. Diese Korporationsbenennungen dienen unserer Gesellschaft als gesetzliche Grundlage zur Hinausführung ihres Werkes. Der schriftgemäße Name aber ist: Jehovas Zeugen. Wir betreiben ein absolut gemeinnütziges Werk; denn der Zweck unserer Bewegung besteht darin, dem Volke zu einem Verständnis der Bibel zu verhelfen, wodurch der einzig mögliche Weg zur Segnung und völligen Errettung der Menschheit klargelegt wird. Die Tätigkeit unserer Organisation hat sich über der ganzen Erde erstreckt. Bildung, Kultur, und Aufbau des Volkes muß und wird kommen, durch Gottes Königreich, worüber wir das lehren, was in der Bibel niedergelegt ist. Das Heil der Menschen hängt ab von ihrer richtigen Erkenntnis und ihrem Gehorsam Jehova Gott und seinen gerechten Wegen gegenüber.

Die Menschen befinden sich in großer Bedrängnis und benötigen eine Anleitung, den Grund ihrer unglücklichen Lage und den Weg zu ihrer Errettung zu erkennen. Ein Verständnis der Schrift erhellt diese Sache. Anstatt bei den Leuten Geld zu sammeln und dieses zu verwenden, große Bauten zu errichten, oder einzelnen hohe Gehälter zu zahlen, verwenden wir die Mittel zum Druck der frohen Botschaft von Gottes Königreich und bringen diese den Menschen ins Haus, damit sie ohne Mühe über Gottes Vorhaben mit ihnen unterrichtet werden.

Eine sorgfältige Prüfung unserer Bücher und Schriften wird deutlich zeigen, daß die hohen Ideale, die sich die nationale Regierung zum Ziel gesetzt hat und die sie propagiert, auch in unseren Veröffentlichungen dargelegt, gutgeheißen und besonders hervorgehoben werden. Unsere Literatur beweist ferner, daß Jehova Gott dafür sorgen wird, daß alle, die Gerechtigkeit lieben und dem Allerhöchsten gehorchen, zur bestimmten Zeit diese hohen Ziele erreichen werden. Anstatt daß unsere Schriften und unsere Tätigkeit die Grundsätze der nationalen Regierung gefährden, werden in ihnen diese hohen Ideale sehr unterstützt. Darum hat auch Satan, der Feind aller, die Gerechtigkeit lieben, versucht, unsere Tätigkeit in Verrufung zu bringen und sie in diesem Lande zu verhindern.

Seit vielen Jahren war unsere Bewegung unablässig bestrebt, in uneigennütziger Weise dem Volke Gutes zu tun. Unsere amerikanischen Brüder haben das Werk in Deutschland auch mit Geldmitteln fleißig unterstützt, und zwar zur einer Zeit, wo sich ganz Deutschland in großer Not befand. Nun, wo es scheint, daß Deutschland bald von Bedrückung befreit und das Volk in eine bessere Lage gebracht sein wird, bemüht sich Satan, der größte Feind, dieses gemeinnützige Unternehmen hierzulande zu vernichten. Man möchte uns gestatten, hier darauf aufmerksam zu machen, daß in Amerika, wo unsere Bücher geschrieben wurden, Katholiken als auch Juden sich miteinander verbunden haben in der Beschimpfung der nationalen Regierung in Deutschland und in dem Versuch, Deutschland zu boykottieren wegen der von der nationalsozialistischen Partei verkündigten Grundsätze.

VÖLKERBUND

Man hat das, was in unseren Büchern oder Schriften über den Völkerbund gesagt wurde, als Grund angenommen, unsere Tätigkeit und die Verbreitung unserer Bücher zu verbieten. Wir möchten die Regierung und das deutsche Volk daran erinnern, daß es der Völkerbund war, wodurch dem deutschen Volke große, ungerechte und unerträgliche Lasten aufgelegt wurden. Jener Völkerbund ist nicht von den Freunden Deutschlands gemacht worden. Die Presse kündigte seinerzeit an, daß in Amerika 140.000 Geistliche eine bestimmte Zeit festgelegt hatten, während der gemeinsame Anstrengungen gemacht werden sollten und auch gemacht wurden, um das amerikanische Volk zu bewegen, dem Völkerbund beizutreten. Der Kirchenbund in Amerika gab ein Manifest heraus, worin erklärt wurde, daß der Völkerbund ,,der politische Ausdruck des Reiches Gottes auf Erden" sei und so wurde dieser von ihnen an die Stelle des Königreich Gottes unter Christi Herrschaft gesetzt. Damals zeigte unsere Organisation unter der sichtbaren Leitung ihres Präsidenten klar und deutlich, daß dieser Völkerbund keine Einrichtung Jehova Gottes ist, weil er bedrückend und unfair ist. Was aber von Jehova kommt, kann nicht bedrückend und unfair sein. Die damals vorhandenen Umstände gaben den Anlaß, in unseren Büchern offen über den Völkerbund zu reden und darauf aufmerksam zu machen, daß ein solcher Völkerbund niemals Befreiung und Segnung der Völker bringen kann, weil die Errettung und Segnung nur kommen kann, wenn die Grundsätze, die in Gottes Wort niedergelegt sind, befolgt werden, und nur auf die Weise, wie Jehova sie bestimmt hat.

Seit beinahe einem halben Jahrhundert hat unsere christliche Organisation ihre Tätigkeit in verschiedenen Teilen der Erde ausgeübt. Unsere Bücher sind in mehr als 50 Sprachen erschienen, und mehr als 140 Millionen dieser Bücher sind in den Händen der Menschen. Seit mehr als 30 Jahre sind unsere Bücher und Schriften in ganz Deutschland verbreitet worden, und Millionen dieser Bücher befinden sich in den Händen des deutschen Volkes und werden gelesen. Alle, die diese Bücher gelesen haben, werden bezeugen, daß diese sich gänzlich auf die Bibel stützen, und daß sie ihnen geholfen, sie auferbaut und ihnen die Hoffnung auf die Segnungen gegeben haben, die Jehova Gott seit langem verheißen hat. Aus all diesen Jahren unserer Tätigkeit und bei der weiten Verbreitung unserer Bücher und Schriften kann wahrheitsgemäß kein einziges Beispiel angeführt werden dafür, daß unsere Tätigkeit oder unsere Literatur jemals in irgendeiner Weise die Regierung oder die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Landes bedroht hätte.

Das Bestreben unserer Organisation ist ausschließlich darauf beschränkt, für den Namen und das Wort Jehova Gottes Zeugnis abzulegen. Es wäre daher von uns ganz unkonsequent, wenn wir versuchen wollten, irgendwelchen Einfluß auf die Regierungen dieser Welt auszuüben oder irgend etwas zu tun, was die öffentliche Ruhe und Sicherheit des Landes gefährden würde. Wir haben weder den Wunsch noch den Gedanken, irgend etwas anderes zu tun, als nur den uns von Gott gegebenen Auftrag, das Wort Jehova Gottes zu verkündigen, auszuführen.

In Amerika, Kanada und in anderen Teilen des Britischen Weltreiches haben die politischen Geistlichen, Priester und Jesuiten die Glieder unserer Organisation ohne guten Grund oder eine Entschuldigung fortgesetzt verfolgt und fahren fort, dies zu tun, und haben wir Grund zu glauben, daß ein ähnlicher Einfluß in listiger Weise von dem großen Feind Satan angewandt wurde, um uns und unsere Tätigkeit in Deutschland in Verruf zu bringen. Wir möchten Sie daran erinnern, daß in den letzten Jahren politische Geistliche dem deutschen Volke mehr Sorgen bereitet haben als irgendeine andere Gruppe. Wir wollen uns nicht mit den katholischen Geistlichen streiten, doch wir ersuchen die Reichsregierung, uns nicht nach der falschen Darstellung dieser Männer zu beurteilen, sondern nach dem Maßstab des Wortes Gottes und nach der Tätigkeit, die wir im Einklang damit ausüben. Jehova Gott verfolgt niemand, sondern überläßt es jedem einzelnen, seinen eigenen Weg zu wählen, aber er hält jeden nach seiner Erkenntnis verantwortlich für sein Tun. Jehova Gott hat deutlich seinen Zorn zum Ausdruck gebracht gegen alle, die seine Diener verfolgen. Dies beweist, daß, wer uns verfolgt, nicht Gott dient, sondern von dem Feinde Gottes und des Menschen dazu veranlasst wird. - Psalm 72:4.

BEDEUTUNGSVOLLE WAHRHEITEN

Die Heilige Schrift, betrachtet im Lichte heutiger Ereignisse, wodurch göttliche Prophetie erfüllt wird, offenbart: der Zeitpunkt ist gekommen, wo Jehova seinen Namen der ganzen Schöpfung bekanntgeben, rechtfertigen und von der Schändung, die Satan auf Gottes heiligen Namen gebracht hat, reinigen wird. (Psalm 83:18) Als Jesus Christus, der große Rechtfertiger, in den Himmel aufgestiegen war, befahl Jehova ihm, bis zu dem bestimmten Zeitpunkt zu warten, wo der Feind niedergeworfen werden sollte. Diese Wartezeit ist jetzt zu Ende, und Gott hat seinen geliebten Sohn gesandt, den Feind aufzutreiben und dann in Gerechtigkeit zu herrschen. (Psalm 110:1-4; Hebräer 10:12, 13) Die Welt oder die ununterbrochene Herrschaft Satans ist zu Ende, was durch den Weltkrieg 1914 in Erscheinung trat. Seitdem ist die Zeit, wo das Evangelium vom Königreich den Nationen kundgemacht werden muß. (Matthäus 24: 3, 14) Satan ist nun aus dem Himmel hinaus und auf Erden hinabgeworfen worden, und seine Wirksamkeit ist jetzt auf die Erde beschränkt. Es ist sein Bestreben, die Menschen gegen die Wahrheit blind zu machen und sie zugrunde zu richten, und dies ist die Ursache für die gegenwärtigen Leiden der Menschheit. Jetzt haben die prophetische Worte Jesu Anwendung: ,,Wehe denen, die auf Erden [die Führer] wohnen, und auf dem Meer [das allgemeine Volk], denn der Teufel ist zu euch hinabgekommen und hat große Wut, da er weiß, daß er wenig Zeit hat." Offenbarung 12:12.

Das deutsche Volk hat seit 1914 große Not gelitten und hat viele Ungerechtigkeiten durch andere erdulden müssen. Die Nationalsozialisten haben erklärt, daß sie gegen jede solche Ungerechtigkeit Stellung nehmen, und haben als Leitsatz kundgetan: ,,Unser Verhältnis Gott gegenüber ist hoch und heilig." Da unsere Organisation diese gerechten Grundsätze durchaus gutheißt und einzig damit beschäftigt ist, die Menschen über das Wort Jehova Gottes aufzuklären, ist Satan in listiger Weise bestrebt, die Regierung gegen unser Werk zu wenden und es zu zerstören, weil wir die Notwendigkeit, Gott zu erkennen und ihm zu dienen, hervorheben. Unsere Organisation gefährdet keineswegs die öffentliche Ordnung und Sicherheit des Staates, sondern sie ist die Bewegung, die für die öffentliche Ordnung, Ruhe und Sicherheit des Landes eintritt. Wir möchten allen vor Augen führen, daß die große Krise über die Welt gekommen ist, weil dies die Übergangszeit vom Schlechten zum Guten ist. Die Hoffnung der Welt ist Gottes Königreich unter der Herrschaft Christi, wofür Jesus seine Jünger lehrte, ständig zu beten: "Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auch auf Erden."

Jehova Gottes Macht ist über alles erhaben, und es gibt keine Macht, die ihm erfolgreich widerstehen kann. Sein Zeitpunkt, seine Macht zum Nutzen der Menschheit und zur Rechtfertigung seines hohen Namens auszuüben, ist herbeigekommen. In diesem Zusammenhang gestatten wir uns ergebenst, auf die Ermahnung und Warnung Jehovas sowohl an die Führer als auch an das Volk hinzuweisen. Diese Schriftstelle hat auf die gegenwärtige Stunde Anwendung und lautet: ,,Habe doch ich meinen König gesalbt auf Zion, meinem heiligen Berge ... Und nun, ihr Könige, seit verständig; lasset euch zurechtweisen, ihr Richter der Erde! Dienet Jehova mit Furcht, und freuet euch mit Zittern! Küsset den Sohn, daß er nicht zürne, und ihr unkommet auf dem Wege, wenn nur ein wenig entbrennt sein Zorn. Glückselig alle, die auf ihn trauen!" Psalm 2:6, 10-12

Nachdem sich die nationale Regierung zu den oben erwähnten hohen Idealen bekannt hat, sind wir überzeugt daß die Führer nicht wissentlich das fortschrittliche Zeugniswerk für den Namen Jehovas und seines Königsreiches, das wir jetzt hinausführen, bekämpfen wollen. Wenn unser Werk nur Menschenwerk wäre, so würde es von selbst untergehen. Wenn es jedoch Gottes Werk ist und auf seinem Befehl getan wird, so bedeutet die Bekämpfung dieses Werkes einen Kampf gegen Gott. - Apostelgeschichte 5: 39.

Wir appellieren daher an den Gerechtigkeitssinn der Landesführer und ersuchen ergebenst, daß das Verbot unserer Tätigkeit und unserer Literatur aufgehoben werden möchte, und daß man uns eine Gelegenheit gebe, in unparteiischer Weise angehört zu werden, ehe man uns verurteilt. Wir bitten ergebenst darum, daß die Regierung ein Komitee unparteiischer Männer bestimme, um mit einem Komitee aus unserer Organisation zu verhandeln, und daß unsere Literatur und unsere Tätigkeit in fairer und unparteiischer Weise untersucht werde, damit jedes Mißverständnis behoben werde und wir uns gegenseitig behilflich sein möchten, und damit wir ohne Behinderung dem Gebote Gottes, das jetzt auf uns Anwendung hat, nachkommen können, nämlich: ,,Ziehet durch die Tore, bereitet den Weg des Volkes; bahnet die Straße, reiniget sie von Steinen, erhebet ein Panier über die Völker." - Jesaja 62 Vers 10.

Das deutsche Volk ist ein gottesfürchtiges Volk, und ihm sollte nicht die Möglichkeit genommen werden, über Jehova Gott und über seine gütige Vorkehrung, allen die ihn kennen und ihm gehorchen, ewigen Frieden, Wohlfahrt, Freiheit und ewiges Leben auf Erden zu geben, unterrichtet zu werden. Möchten doch alle, die Gott lieben, zusammen arbeiten zur Ehrung und Rechtfertigung seines Namens. Alle, die einen entgegengesetzten Weg verfolgen, müssen selber vor Gott die Verantwortung auf sich nehmen; was aber uns betrifft, so werden wir auf ewig Jehova dienen.

Es wird hierdurch beschlossen, je ein Exemplar dieser Erklärung den hohen Regierungsbeamten ergebenst zu überreichen und sie allgemein zu verbreiten, damit der Name Jehovas immer mehr bekannt gemacht werde.

WATCH TOWER BIBLE AND TRACT SOCIETY, MAGDEBURG

Druck u. Verlag: Watch Tower Bible and Tract Society , Magdeburg