Erdbeben - ein Zeichen der Endzeit?

Seit Jahrzehnten versucht die WTG ihren Gläubigen einzureden, daß wir in der Zeit des Endes leben. Doch wenn es um konkrete Beweise geht, tut sie sich meist schwer. Wie bei der Behauptung, die Zahl der Erdbeben hätte seit 1914 dramatisch zugenommen. Alan Feuerbacher hat den Gegenbeweis erbracht.

In den vier Jahren von 1990 bis 1994 gab es bereits mehr Erdbeben stärker als 6,0 (Richter-Skala) als in der gesamten Dekade davor. Überdies hatte die Hälfte der Erdbeben von 1980 bis 1989 eine Stärke von 7,2 oder mehr.

Aussagen wie diese von Jehovas Zeugen oder anderen Untergangspropheten sind eigentlich normal, doch sie sind, wie die nachstehenden Zahlen zeigen, völlig falsch. Die Wachtturm-Gesellschaft versucht alles, um zu „beweisen“, daß Erdbeben seit 1914 beträchtlich zugenommen haben und dies ein Zeichen für das „Ende“ sei. Sie zitieren falsch und ändern Zahlen - alles Tricks, um ihre Mitglieder verängstigt genug zu halten, damit sie den Wachtturm auch mit ihrem Leben verteidigen.

Als ihm solche Fakten vorgelegt wurden, schrieb Alan Feuerbacher diesen Brief:

Etwa vor drei Jahren erhielt ich eine CD-ROM-Datenbank vom National Earthquake Information Service und analysierte die Daten für Beben in den letzten etwa 100 Jahren. Die Datenbank enthielt Informationen bis einschließlich 1989. Vielleicht gibt es neuere Datenbanken mit Bebeninformationen bis 1992, aber ich bin nicht einmal bis 1989 durch. Alle diese Datenbanken sind nach den Worten des National Geophysical Database Center unvollständig. Neue Informationen laufen ein wie aus dem früheren Sowjetblock. Nach 1991 wurden viele Daten aus Ländern hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang zugänglich; sie werden noch in globale Datenbanken eingefügt.

Etwa vor zwei Jahren schrieb ich ein Papier über einen Artikel im Zeugenmagazin Erwachet! (22.März 1993), in dem ich die meisten Endzeitbehauptungen analysierte. Eine betraf natürlich Erdbeben. Es folgt nun ein Auszug aus diesem Material. Natürlich kann jeder an die USGS schreiben und um Übersendung der Datenbank bitten, aus der ich diese Statistiken gebildet habe.

Seismologen sehen keinen Unterschied in der Zahl der Erdbeben vor und nach 1914, und die Wachtturm-Gesellschaft will oder kann keine solchen zur Stützung ihrer Behauptungen vorlegen.

Wenn man sich die typischen Auflistungen von Beben ansieht, erkennt man vielleicht, daß Erdbeben scheinbar im 20. Jahrhundert im Vergleich zu früheren Jahrhunderten zugenommen haben, doch man kann diese scheinbare Zunahme auf drei Dinge zurückführen:

  1. Alte Aufzeichnungen sind unvollständig
  2. Moderne Seismographen sind erst ab 1897 systematisch rund um die Welt installiert worden, und eine wichtige Aufgabe war in den 1960er Jahren beendet: Seismographenstationen rund um die Erde mit den neuesten automatischen Aufzeichnungsgeräten auszurüsten.
  3. Es erfordert eine Menge Anstrengung, halbwegs vollständige Bebenlisten zu erhalten, und die meisten Seismologen, die Populärliteratur mit solchen Listen schreiben, wollen keine Zeit darin investieren. Jede scheinbare Bebenzunahme ist also auf ein Fehlen kompletter Listen und die weltweite eingeführte Bebenaufzeichnung seit 1897 zurückzuführen. Heute können auch Seebeben aufgezeichnet werden, die früher unbeachtet blieben.

Erdbeben scheinen recht zufällig aufzutreten, so daß es große statistische Häufigkeitsschwankungen geben kann. Zum Beispiel gab es in den zwei Jahrzehnten vor 1914, von 1894 bis 1913, insgesamt 57 Beben der Stärke 8 und mehr, während die 73 Jahre von 1914 bis 1986 105 solcher Beben hatten. Das bedeutet im Durchschnitt zweimal so viele Beben in den 20 Jahren vor 1914 wie in all den Jahren seither. Wenn man alle Beben der Stärke 7 und mehr für diese Jahre prüft, weicht ein Jahrzehnt nicht statistisch signifikant vom anderen ab. (Quelle: Database from the National Earthquake Information Service, Denver, Colorado. Diese CD-ROM-Datenbank enthält etwa 438,000 Beben von 2100 v.Chr. bis 1988 aufgelistet.) Ein Diagramm der Anzahl an Erdbeben in einem bestimmten Jahr, gegen die Zeit aufgetragen, erinnert stark an ein Diagramm für Aktienkurse. Wenn die untersuchte Zeit kurz genug ist, können wie in einem solchen Diagramm Trends sichtbar werden. 1986 schrieb ein Seismologe:

Es gibt Anzeichen dafür, daß die weltweite seismische Aktivität - wenn man die Stärke von 7 und mehr berücksichtigt - seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis jetzt ständig abgenommen hat.

Dies vergleiche man mit den unten wiedergegebenen Diagrammen für die Bebenstärken pro Jahr. Die Daten für diese Diagramme stammen aus der NEIS CD-ROM-Datenbank. Die Daten für die Stärken 8 und 7 wurden nachgeprüft, um Doppelnennungen auszuschließen.

Das Diagramm für Beben der Stärke 8 zeigt eindeutig den großen zeitweiligen Anstieg von Beben der Stärke 8 bis einschließlich 1920.

Das Diagramm für Beben der Stärke 7 zeigt eindeutig den Einfluß der Aufzeichnung durch Instrumente auf die Anzahl der aufgezeichneten Beben um die Jahrhundertwende.

Das Diagramm mit Beben der Stärke 1 zeigt deutlich die Auswirkung der Vervollständigung der Installation weltweiter Instrumentenaufzeichnung in den frühen 1960er Jahren auf die Anzahl der aufgezeichneten Beben. Es handelt sich um Rohdaten mit Doppeleinträgen.

Das Stärke 1-Diagramm enthält insgesamt 438,607 Beben von 2100 v.Chr. bis einschließlich 1988. Es gab 10,606 Beben bis 1894 und 100,448 Beben bis 1961. Diese Daten sollte man mit der oben angeführten Behauptung der Wachtturm-Gesellschaft vergleichen, daß ‘im Vergleich mit den vorhergehenden 2000 Jahren der Durchschnitt pro Jahr seit 1914 20mal so groß ist’ Der Wachtturm vom 1. Dezember 1993 gab zu, daß diese Behauptung falsch ist.

Hin und wieder hat die Gesellschaft gesagt, die Stärke der Erdbeben sei nicht besonders wichtig, sondern die Zahl der getöteten Menschen. Der Wachtturm vom 1. Dezember 1993 gab zu, daß die früher behaupteten Zahlen falsch seien und griff zur „Gruppenhaftung“, um zu unterstellen, in letzter Zeit seien Erdbeben zusammen mit anderen Naturkatastrophen schlimmer geworden. Das wurde jedoch nie ausdrücklich so gesagt, doch man entließ den Leser mit dem Eindruck, es sei so.

Geben die Daten dies her? Kommen durch Erdbeben heutzutage mehr Menschen um als je zuvor? Gilt dies insbesondere seit 1914? Eine Studie verglich die Zahl der Erdbebentoten in den 68 Jahren von 1915-1983 mit den jeweils 68 Jahren von 1715-1783 und 1847-1914. Das Ergebnis war, daß zwischen 1915-1983 im Durchschnitt etwa 17.500 Menschen pro Jahr starben und etwa 20,000 bzw. 18,000 pro Jahr in den vorhergehenden Zeiträumen. Und die Daten in den Diagrammen über die Bebenstärken sind statistisch insignifikant. Der Leser möge die folgenden Diagramme untersuchen, ob in den Zahlen der Toten irgendein Trend erkennbar ist. Der Autor kann keinen erkennen.

Die drei obenstehenden Diagramme basieren auf folgenden Zahlen: Ein Vergleich der Erdbebenopfer 1715-1983 1915-1983 (Siehe Erwachet! vom 22. März 1977)

Tabelle 1 

Brachte 1914 eine Änderung?

Tabelle 2

Wie die obigen Daten zeigen, beweisen hinreichend vollständige Untersuchungen, daß im 20. Jahrhundert im Vergleich zu früheren Zeiten weder bei der Bebenhäufigkeit noch bei der Zahl der Erdbebentoten eine statistisch signifikante Änderung eingetreten ist. Ein Seismologe schrieb:“Für frühere Jahrhunderte liegen uns nicht die gleichen verläßlichen Statistiken vor, aber es gibt überhaupt keine Hinweise auf eine Zunahme der Bebentätigkeit im Laufe der Zeit.“ Natürlich wurde im Wachtturm vom 1. Dezember 1993 nichts von diesen Daten erwähnt. Die meisten Zeugen Jehovas werden die Daten selbst nie untersuchen und damit leichtgläubig die Aussagen der Gesellschaft akzeptieren. Doch selbst wenn sie es täten, würden ihre Vorurteile fast immer dazu führen, daß sie sie zugunsten dessen ablehnen, was ihnen „Gottes Kanal“ vorsetzt.

Die Elemente des „zusammengesetzten Zeichens“, die Erwachet! bisher aufgeführt hat, sind quantifizierbar. Doch die Zeitschrift hat nicht die Zahl der Ereignisse vor 1914 mit der Zahl derer nach 1914 verglichen, wohl weil schon viele Personen die Wachtturm-Gesellschaft bisher auf diesen Punkt hingewiesen haben. Ohne Vergleich sind die Zahlen bedeutungslos. Machen wir uns einmal klar, was dies eigentlich für eine Vorhersage ist: „Nach meinem Tod werde ich zurückkommen und dich besuchen. Du weißt, daß ich mich bald zeigen werde, wenn du Regenbögen, Regenschauer, Fluten, Tornados und Hurrikane siehst und die Leute sich verrückt benehmen. Jeder, der sich über diese Vorhersage lächerlich macht, ist noch ein zusätzlicher Beweis dafür, daß ich komme.“ Ist nicht deutlich geworden, daß solch eine Vorhersage für jede beliebige Zeit richtig ist? Warum sollen dann die Behauptungen der Gesellschaft einen Deut besser sein? Dies Beispiel zeigt, warum Jesus nie sagte, solche Ereignisse würden seine parousía ankündigen. Er warnte seine Zuhörer vielmehr, die Dinge nicht so zu sehen. In Lukas 21:8 heißt es:

Seht zu, daß ihr nicht irregeführt werdet; denn viele werden aufgrund meines Namens kommen und sagen: ‘Ich bin es’ und: ‘Die bestimmte Zeit hat sich genähert.’ Geht ihnen nicht nach.

Paßt nicht Jesu Warnung vor falschen Vorhersagen auf die Wachtturm-Gesellschaft?