Wie entstehen Artikel in den Zeitschriften?

Bei JWD hat ein ehemaliger Mitarbeiter der Schreibabteilung (AndersonsInfo) einiges dazu geschrieben, wie Artikel zustandekommen und welchen Weg "neues Licht" nimmt. Da ich es sehr interessant fand, habe ich es übersetzt:

Erinnerungen aus meiner Zeit in der Schreibabteilung

Meine Erfahrungen im Bethel stimmen mit denen von Ray Franz überein, der in seinem Buch Der Gewissenskonflikt erklärte, dass es die „anderen Schafe“ waren, die den Großteil der Schreibarbeit leisteten. Natürlich gab es, als er in der Schreibabteilung war, dort auch Männer, die angeblich zu den „Gesalbten“ gehörten, die Artikel verfassten. Er war einer von ihnen, und Karl Klein, Lloyd Barry und Ray Franz schrieben, während Franz dort war. Ich weiß nicht, ob Dunlap oder Reinhart Lingstat, die am Hilfe-Buch beteiligt waren, zu den Gesalbten gehören.

Als ich jedoch etwa zehn Jahre später in der Schreibabteilung war, gab es dort keinen einzigen Gesalbten, der irgendetwas schrieb. Ich kann den Informationen von Ray einiges hinzufügen, um die Diskussion zu erweitern, obwohl ich nicht in interne Informationen darüber, wie die Schreibabteilung funktionierte, eingeweiht war, außer dem, woran ich persönlich beteiligt war oder wovon mir Harry Peloyan erzählte.

Beweise dafür, wie “andere Schafe” für geistige Speise sorgen

John Wischuk, ein leitender Autor (hauptsächlich Schreiber für den Wachtturm), hatte einen Ordner für Briefe, die von außen an die Schreib- oder Dienstabteilung gesandt wurden und die zu einem Artikel führen könnten. Es musste fünf Briefe zum selben Thema geben, damit sie in seinen Ordner kamen. Während der wöchentlichen Konferenz der Schreiber wurde das Thema allen bekanntgemacht, und nach Kommentaren wurde eine Entscheidung getroffen und, falls das Thema für einen Artikel genehmigt wurde, eine Zuteilung vorgenommen. Ich glaube, John sprach vor der Konferenz mit Lloyd Barry, und Lloyd stellte das Thema vor.

Es gab vier leitende Autoren, die Erwachet! zusammenstellten. Und das selbe gilt für den Wachtturm. Es ging nach dem Rotationsprinzip. Ich denke, es war jede vierte Ausgabe, bei der ein Mann eine Erwachet!-Ausgabe vom Anfang bis zum Ende überwachen musste. Die Zusammensteller waren Harry Peloyan, Sam Buck, Colin Quackenbush und Eric Beveridge. Wahrscheinlich gab es Änderungen an dieser Gruppe, da diese Männer bereits alt sind. Damals haben sie, wenn sie nicht mit dem Zusammenstellen beschäftigt waren, Hauptartikel für die beiden Zeitschriften, Bücher und Broschüren sowie Vorträge geschrieben.

Die Namen der Schreiber damals: George Aljian, Eric Beveridge, Sam Buck, Steve Johnson, Syril Chan, David Iannelli, Dan Black, Eugene Smalley, Bob Pevy, Colin Quackenbush, Harry Peloyan, John Wischuck, Lee Waters, Manfred Vencebi, Circo Aulicino (selten, außer bei den Artikeln über die UNO). Vielleicht habe ich jemanden ausgelassen, aber das sind die Männer, an die ich mich erinnere. Ich habe gehört, dass Colin jetzt von zu Hause arbeitet und dass Lee Watters gestorben ist. Ich habe einige Namen von anderen Personen, die in der Schreibabteilung sind, nachdem ich sie verlassen habe, aber ich weiß nicht, ob sie eine unterstützende Rolle haben oder Autoren sind. Kürzlich ergab eine Zählung, dass etwa sechzig Personen in Verbindung mit der Schreibabteilung tätig sind. Die meisten davon haben eine unterstützende Funktion.

Es gab ein Erwachet!-Team und ein Wachtturm-Team, die im Wesentlichen gleich funktionierten. All diese Männer einschließlich der untergeordneten Autoren gehörten zur Gruppe der „anderen Schafe“. Untergeordnete Autoren schrieben Nebenartikel oder vielleicht eine Reihe von Leitartikeln, und wenn sie besonders fähige Schreiber waren, arbeiteten sie an größeren Projekten, die ihnen von den leitenden Autoren zugeteilt wurden.

Ich bin sicher, dass Artikel nicht nur auf diese Weise entstanden. Beispielsweise kann ich von meiner eigene Erfahrung in dieser Hinsicht erzählen, und ich zählte nicht zu den Gesalbten. Einmal machte ich Harry Peloyan, dem Erwachet!-Redakteur, einen Vorschlag für einen Artikel; ich erzählte ihm, dass ich das ganze Nachforschungsmaterial hatte, dass einer seiner Schreiber für einen Artikel verwenden könnte, weil ich es bei Nachforschungen zum Verkündiger-Buch gesammelt hatte. Harry sagte, die Männer seien beschäftigt und beauftragte mich, den Artikel zu schreiben, was ich tat. Es war mein erster. Aber er wusste, dass ich es kann, denn eines Tages, als ich am Kopierer einige Kopien machte, lief er vorbei, drehte sich um und kam zurück und bat mich, eine Kopie zu lesen, die er von einem Autoren eines Zweigbüros bekommen hatte und zu sehen, ob ich einige Absätze ersetzen würde, denn der Artikel drehte sich um Gesundheitsangelegenheiten von Frauen. Ich arbeitete zu dieser Zeit für Karl Adams, daher machte ich die Arbeit für Harry am Abend. Meine Änderungen schafften es in den Artikel und in die Zeitschrift.

Einmal hörte ich, dass nach einem bestimmten Vortrag auf dem Bezirkskongress, in dem es um Matthäus 22:25-30 ging (um die Frau, die nacheinander sieben Brüder geheiratet hatte, nachdem jeder Mann gestorben war), eine ganze Anzahl Anrufe diesbezüglich in der Schreibabteilung eingingen. Die Frage war: „Wer wird sie demnach in der Auferstehung zur Frau haben?“ Jesus antwortete: „... denn in der Auferstehung heiraten Männer nicht, noch werden Frauen verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel.“

Es gab viele Fragen darüber, wie die Gesellschaft diesen Punkt interpretierte. Zu dieser Zeit war ich mit Nachforschungen für das Verkündiger-Buch beschäftigt, aber ich hatte die Idee, nachzusehen, wie oft diese Schriftstellen seit 1879 in der Literatur behandelt worden waren. Dann schlug ich Harry Peloyan vor, ihm die Ergebnisse meiner Nachforschungen zu überlassen. Er meinte, das sei eine großartige Idee. Als ich fertig war, hatte ich einen etwa 5 cm hohen Stapel einzelner Blätter. Ich fasste auch zusammen, was ich herausgefunden hatte, und gab ihm alles. Harry und Colin Quackenbush sprachen darüber und schrieben einen Brief mit ihrem Beitrag an die Leitende Körperschaft. Etwa sechs Monate später erhielten sie einen Brief von der Leitenden Körperschaft, in dem es hieß, dass sie wegen der mehrdeutigen Beschaffenheit von Jesu Worten ab jetzt aufhören würden, diese Schriftstellen zu behandeln. Wie wär’s damit als umgekehrtes „neues Licht“?

Ein anderes Mal, als ich mit Colin Quackenbush redete, erzählte ich ihm von den Problemen mit Kindern, die an ADHS leiden. Er hörte zu, und wenige Monate später bat er mich, eine Leitartikelserie über das Thema zu schreiben, was ich tat.

Die Verbindung der gesalbten Leitenden Körperschaft zum Austeilen der geistigen Speise

Das Lehrkomitee, das viele Eingaben von der Dienst- und Schreibabteilung erhält, spielt eine wichtige Rolle bei Entscheidungen der Leitenden Körperschaft in Bezug darauf, aus welchen Themen Bücher, Broschüren und Kongressvorträge werden. Verschiedene Leute in diesen Abteilungen sind daran beteiligt, der Leitenden Körperschaft organisatorische Probleme u. a. mitzuteilen.

Einmal wurde der Gesellschaft von außerhalb des Bethels ein Manuskript über Jesu Leben gegeben. Mir wurde erzählt, dass daraus das Buch Jesu Leben und Wirken wurde. Soweit ich weiß, war der ursprüngliche Autor keiner der Gesalbten.

Die leitenden Autoren (von denen keiner behauptet, gesalbt zu sein) lasen jeden Morgen die wesentlichen Zeitungen von New York und machten ein Häkchen an Artikel, die aufbewahrt werden sollen. Barbara Adams und eine andere Frau schnitten die markierten Artikel aus, und sie wurden in einem großen Schrank aufbewahrt, der „Quellenkartei“ genannt wurde. Die Autoren achteten auf weltliche Themen, die mit den Tagen immer wichtiger wurden, und schließlich landete das Thema im Erwachet! – natürlich vom Standpunkt der Bibel aus betrachtet. Ich hörte Zeugen Jehovas, die ich durch die Schreibabteilung führte, oft sagen, dass die Artikel wirklich aktuell waren und dass Jehovas Heiliger Geist dafür verantwortlich wäre. Sie sagten: „Schon bevor ein Thema groß wird, wird die Angelegenheit in den Zeitschriften behandelt.“ Ich würde ihnen antworten, nein, informierte Wachtturmschreiber waren verantwortlichen.

Die Autoren in den Zweitbüros waren beauftragt, Ausschau zu halten, worüber man schreiben könnte, und reichten regelmäßig Artikel ein, die dann in einem speziellen Schrank abgelegt wurden. Diese Artikel wurden die Nebenartikel im Erwachet!. Jedoch schrieben sie auch Leitartikelserien, wenn sie dafür eingeteilt wurden. Ich habe nie gehört, dass einer dieser Männer ein Gesalbter gewesen wäre, aber natürlich könnte einer dabei gewesen sein.

Ich habe nie davon gehört, dass irgendjemand in Brooklyn in Freddies Fußstapfen als „Orakel“ getreten wäre. Obwohl ich aktuelle Wachtturmartikel und Bücher gelesen habe, enthalten sie nichts, was auch nur annähernd Freddies Schreibstil ähneln würde. Höchstwahrscheinlich will die Leitende Körperschaft nicht, dass irgendein Schreiber wieder solche Macht hat. Meiner Meinung nach wollen sie wahrscheinlich, dass die Autoren das machen, was sie am besten können: weiterhin Artikel schreiben, die nicht spektakulär und phantastisch sind wie die von Freddie, sondern einfach immer wieder das selbe alte stumpfsinnige Material enthalten, das die Zeugen von der ‚treuen und verständigen Sklavenklasse‘ zu erhalten gewöhnt sind.

„Neues Licht“ von oben?

„Neues Licht“ muss durch mehrere Instanzen gehen. Das ist einiges von dem, was ich beobachtet habe: Untergeordnete Autoren lernen die Wege kennen, wovon einer darin besteht, mit einer Idee zu einem leitenden Schreiber zu gehen. In jedem Fall mussten bestimmte Mitglieder wie Henschel und Jaracz ihr e Zustimmung für „neues Licht“ geben, damit es vorankam oder damit „neues Licht“ Eingang in eine Zeitschrift fand. Bestimmte leitende Autoren hatten enge Freundschaften mit Gliedern der Leitenden Körperschaft und besprachen ihre Vorstellungen, Gefühle und Nachforschungen zu einem Thema. Ein Glied der Leitenden Körperschaft kann einen Gedanken zur Sprache bringen und ihn den anderen Gliedern vorstellen, damit sie ihn absegnen, und wenn man sich geeinigt hat, wird ein leitender Autor damit beauftragt, einen Artikel zu schreiben oder ein Buch zu schreiben oder zusammenzustellen. Schroeder brachte die Idee mit den „Nethinim“ oder „Gegebenen“ ein und beauftragte Gene Smalley damit, einen Artikel zu schreiben (15. April 1992), der sich als trügerisch erwies. Es gibt zahlreiche Wege, wie Vorstellungen von „neuem Licht“ in die Leitende Körperschaft gelangen, aber im Prinzip müssen sie einer Idee zustimmen, bevor sie irgendwohin geht.

Einmal sprach Klein über etwas, was er bei der morgendlichen Anbetung zur Sprache brachte, bevor er es den anderen Gliedern der Leitenden Körperschaft erzählte. Er erklärte der Bethelfamilie, inwiefern wir nicht Jehovas Namen, sondern seine Souveränität rechtfertigen. Und blitzschnell wurde aus dieser Idee „neues Licht“. Ich erinnere mich, dass Karl so begeistert von seiner Idee war, dass es an diesem Morgen, als er zur Arbeit kam, so war, als hätte ihm jemand seine Jugend zurückgegeben. Er hüpfte und sprang irgendwie herum und erzählte jedem, der zuhörte, einschließlich mir, von seiner Idee.

Es gab viele Kommentare von Nichtzeugen in der Bibliothek der Schreibabteilung. Sogar ich kaufte einige für mich, als ich dort war. Ein Kommentar war sehr nützlich für jemanden, der versuchte, einen Bibelvers zu verstehen und zu sehen, ob er irgendetwas herausfinden könnte, das mit den Vorstellungen des Wachtturms zu dem Thema übereinstimmt. Wenn wir eine bestimmte Lehre studierten (wie ich zu dieser Zeit), schauten wir nach, was die Kommentare dazu sagten. Wenn ds Problem scheinbar darin bestand, dass der Standpunkt des Wachtturms von den Zeugen Jehovas draußen genau beachtet wurde und die Beweise zumindest ungefähr mit weltlichen Gelehrten übereinstimmten, verschwanden die Kommentare. Wenn man dachte, der Wachtturm würde sich irren, konnte sich daraus „neues Licht“ entwickeln.

Nachforschungen

Ich war ständig in der Bibliothek der Schreibabteilung und sah dort so gut wie nie einen Schreiber die alte Literatur in den Regalen durchsehen. Natürlich waren die meisten der leitenden Schreiber schon seit vierzig oder mehr Jahren hier gewesen, und wahrscheinlich waren sie des Ganzen einfach überdrüssig. Die Material der Abtrünnigen war in einem Wandschrank verfügbar. Wer die Bücher und Broschüren las, weiß ich nicht. Ich nehme an, sie waren neugierig, was Ray Franz zu sagen hatte, und lasen seine Bücher. Ich habe nie irgendwelche Kommentare dazu auf die eine oder andere Weise gehört.

Die Wachtturm-Indexe waren damals durchaus in Gebrauch, aber jetzt macht die Wachtower Library auf CD-ROM alles viel leichter, sowohl für die Autoren als auch für diejenigen, die mit Nachforschungen betraut sind. Ich kann wirklich keine Information darüber anbieten, wie die Gesellschaft Kommentare zu Bibelbüchern herausgibt, außer dass ich sagen kann, dass Karl Klein der Beste für diese Arbeit gewesen wäre, aber er ist tot. Ich vermute, es würde ein Team von Männern und Frauen geben, die unter der Leitung eines Schreibers, der sich auf diesem Gebiet hervorgetan hat, mit Nachforschungen beauftragt werden. Aber ich habe keine Ahnung, wer das heutzutage sein könnte.

Einige Leute in der Schreibabteilung wusste ziemlich viel über die Geschichte der Wachtturm-Gesellschaft, aber vom revisionistischen Standpunkt aus gesehen. Richard Abrahamson, damals Aufseher der Kunstabteilung (die der Schreibabteilung untergeordnet war), war ursprünglich dafür eingeteilt, das Schreiben des Verkündiger-Buchs zu überwachen. Er war sehr interessiert an der alten Geschichte. Richard hatte keine Zeit für das Buch, daher wurde Karl Adams zugeteilt. Karl ist jetzt tot. Natürlich lernte er bei seiner Tätigkeit viel, weil er am Verkündiger-Buch arbeitete, aber er rühmte sich als Historiker der Wachtturm-Gesellschaft. Ich habe keine Ahnung, ob irgendeiner von ihnen die Schriftstudien gelesen hat. All die alte Literatur gab es in der Bibliothek, aber ich weiß nicht, wer, falls überhaupt jemand, jemals ein tiefgehendes persönliches Studium betrieben hat oder nicht. Ich weiß, dass andere, so wie ich, die alte Literatur benutzen, um gute Zitate von Russell zu finden, die in etwas, woran wir arbeiteten, benutzt werden konnten.

Nachdruck durch Wiederholung

Einige Leser der Wachtturm-Literatur haben behauptet, dass der Wachtturm alte Artikel als neue wiederverwertet. Nach dem, was ich in der Literatur sehe, glaube ich nicht, dass sie irgendwelche innovativen Denker haben; folglich stecken sie in ihrem Trott fest. Die Grenzen, die von der Leitenden Körperschaft für die Themen gesetzt werden, sind eng, und innerhalb dieser Grenzen zu bleiben, ist eine Herausforderung. Deshalb: Nachdruck durch Wiederholung. Sie werden einige Themen immer wieder wiederholen, weil sie wirklich nichts anderes mitzuteilen haben. Wann gab es zuletzt irgendwelche tiefgehenden Lehrartikel über die Hölle, die Dreieinigkeit und die Unsterblichkeit der Seele? Vielleicht haben sie solche Artikel in den Zeitschriften veröffentlicht, und ich habe sie übersehen. Aber soweit ich gelesen habe, geht alles um: „Bald wird diese Welt enden“.