Netzwerk Sektenausstieg e.V. - Jahresbericht 2008 - Seite 2 Drucken E-Mail
Geschrieben von: Vorstand   
Samstag, den 28. März 2009 um 16:43 Uhr
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Netzwerk Sektenausstieg e.V. - Jahresbericht 2008
Tätigkeitsfelder
Entwicklung
Finanzen

Schaubild TätigkeitsfelderIm Kalenderjahr 2008 konnten wir unser Netzwerk kontinuierlich weiter entwickeln. Dieses gilt sowohl für die Entwicklung nach innen (im Bereich Community) als auch für die weitere Vernetzung nach außen (u.a. im Bereich Services).

Nachfolgend geben wir einen kurzen Überblick über unsere Aktivitäten im abgelaufenen Kalenderjahr, gegliedert nach unseren vier Tätigkeitsbereichen.

infolink - Research

Unsere ausführliche Dokumentation umfasst 1.372 Artikel. Über 13 Millionen Seitenaufrufe sind ein klarer Beweis dafür, dass unser fundiertes und seriöses Know-How gefragter ist denn je.

Nach wie vor sind es insbesondere die 118 Lebensberichte, welche häufig im Mittelpunkt des Interesses unserer Leser stehen.

Aber auch unsere sechsteilige Dokumentation unter dem Titel „Was jeder Zeuge Jehovas wissen sollte!“ ist unverändert eine der meistgelesensten Artikelserien unserer Website.

Unter dem Suchwort „Zeugen Jehovas“ liegen wir in der google-Suche derzeit auf Rang drei, direkt nach wikipedia und der sekteneigenen Homepage.

Nachdem wir im Verein nunmehr auch Aussteiger der Neuapostolischen Kirche begrüßen konnten, bleibt abzuwarten, inwieweit es uns in den Folgejahren gelingen wird, hier ein entsprechendes Know-How aufzubauen.

Allerdings werden wir dabei künftig vermehrt auf Vernetzung mit anderen seriösen Ausstiegsinitiativen setzen. So können wir Doppelarbeit sparen und unsere Kräfte entsprechend konzentrieren.

infolink - Community

Viele Sektenaussteiger suchen neben einer virtuellen Gemeinschaft auch den persönlichen Kontakt zu anderen Aussteigern, denn vieles sagt sich im persönlichen Gespräch leichter.

Wie bereits im Vorjahr ist ein hoher Bedarf an Treffen von Sektenaussteigern zu verzeichnen. Insgesamt veranstalteten wir 52 infolink-Treffen an nunmehr 22 Orten in Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland und konnten dabei über 400 Anwesende zählen.

In Berlin und Hannover nutzten wir die Gelegenheit, im Rahmen dieser Treffen den Film „delfinsommer“ zu schauen und über Parallelen zum eigenen Ausstiegserleben zu diskutieren.

Gegenüber dem Vorjahr haben wir zwei weitere Orte mit aufnehmen können; allerdings findet ein Teil der Treffen inzwischen außerhalb unserer Vereinsstatistik statt, da wir dazu übergegangen sind, auch selbstorganisierte Gruppen, die sich durch unser Forum finden und sich außerhalb des offiziellen Vereins treffen, entsprechend logistisch zu unterstützen.

An vielen Orten arbeiten wir mit örtlichen Kontaktstellen für Selbsthilfegruppen zusammen und nutzen deren Räumlichkeiten.

infolink-Jahrestreffen: Freunde finden

Jahrestreffen 2008Mit dem Ausstieg aus einer Sekte bricht für viele ihr gesamtes soziales Umfeld weg: Freundschaften „in der Welt“ sind verpönt und wurden nie aufgebaut; die (ehemaligen) Freunde in der Sekte ächten den Aussteiger nach Kräften. Den Höhepunkt unserer Community bietet daher unser infolink-Jahrestreffen. Hier geht es einmal nicht um Inhalte, sondern nur um ein zwangloses Beisammensein. Insbesondere für Frischaussteiger ist dieses Treffen eine einfache und gern in Anspruch genommene Möglichkeit, schnell neue Freunde kennenzulernen.

2008 konnten wir dazu im Odenwald 60 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich begrüßen. Für 2009 ist ein ähnliches Treffen in der Nähe von Berlin geplant.

infolink-Forum

Viele Aussteiger bestätigen, dass sie zunächst in unserer Dokumentation fündig wurden. Ihnen wurden die Augen geöffnet.

Ein Mensch im Ausstiegsprozess möchte seine neuen Erkenntnisse mit anderen teilen.Er möchte sie diskutieren, um festzustellen, ob er die Informationen denn richtig verstanden hat.

notwendiger Gedankenaustausch

Doch an wen soll er sich wenden? Sein Freundeskreis innerhalb der Sekte würde ihn umgehend bei der örtlichen Gemeindeleitung denunzieren, weil er „Abtrünnigenpropaganda“ liest. Sein Bekanntenkreis außerhalb der Sekte versteht das Thema gar nicht oder ist - ebenso wahrscheinlich - überhaupt nicht existent.

An dieser Stelle zeigt sich, dass das von uns betriebene „infolink-Forum“ die Basis all unserer Aktivitäten ist. Hier treffen Aussteiger auf Aussteiger und können direkt miteinander kommunizieren.

steigende Nutzeranzahl

Grafik der aktiven ForumsnutzerDieses Angebot wird vermehrt nachgefragt. Zum Jahresende 2005 gab es 154 aktive Nutzer. Ende 2008 haben wir mit 1007 aktiven Nutzern erneut einen Rekord aufgestellt. Dieses zeigt deutlich, wie lebendig das infolink-Forum tatsächlich ist, auch wenn viele dieser Nutzer zunächst einmal „nur“ lesen.

Es ist die Vielschichtigkeit der Themen in unserem Forum die zu einer entsprechend hohen Resonanz führt. Es gibt kaum eine Versammlung (Ortsgemeinde) der Zeugen Jehovas in Deutschland, in denen infolink nicht „unter der Hand“ bekannt ist. Über 450.000 monatliche Seitenaufrufe im Forum sprechen eine deutliche Sprache.

In einem solchen Forum prallen teilweise sehr unterschiedliche Weltsichten aufeinander. Es liegt auf der Hand, dass die Moderation dieses Forums mit Toleranz und Augenmaß, aber auch mit aller Konsequenz erfolgen muss, will man Diskussionen nicht abwürgen, aber zugleich übersichtlich halten.

Auf dem Weg zum selbstgesteuerten Forum

Dabei stehen die Moderatoren des Forums in einem permanenten Dilemma: Einerseits sollen sie aktiv für ein Forum sorgen, in dem sich jeder Nutzer wohl fühlt, andererseits wird ihnen insbesondere von ehemaligen Angehörigen totalitär verfasster Kulte rasch „Machtmissbrauch“ vorgeworfen, da diese Zielgruppe hier besonders sensibel reagiert.

Auch wenn der Verein rechtlich gesehen der Betreiber des Forums ist, so sind es dennoch unsere Nutzer, die das Forum mit Leben erfüllen. Daher sollten sie auch in alle Entscheidungen dieser virtuellen Community aktiv mit einbezogen werden.

Zum Jahresende 2008 haben wir daher einen ersten Schritt gemacht, der jedem unserer virtuellen Gäste die eigene Verantwortung für sein Tun deutlicher macht und dabei zugleich einen Meilenstein auf dem Wege zu einem selbstgesteuerten, demokratischen Miteinander gesetzt.

Künftig entscheiden die Gäste des Forums selbst, ob und inwieweit bestimmte Beiträge bzw. Nutzer der Netiquette entsprechen und damit zu einem toleranten Umgang beitragen. Dabei sind die ersten Erfahrungen ausgesprochen positiv, wir werden das „Projekt Selbstverantwortung“ in unserem Forum daher konsequent weiter fortschreiben.

infolink Services

infolink-Seminare

Dozent beim ReferierenDer Ausstieg aus einer Sekte ist ein gewaltiger Veränderungsprozess und nicht selten eine große Belastung für die Psyche. Über viele Jahre praktizierte Gewohnheiten müssen aufgegeben werden, alte Denkweisen gelten plötzlich nicht mehr, scheinbar fest gefügte Prinzipien werden in Frage gestellt, die Einstellung zum Glauben verändert sich, neue Werte und Ziele werden definiert, das ganze Leben wird plötzlich aus einer völlig anderen Perspektive erlebt.

Es ist ein Riesenvorteil, wenn man professionelle Unterstützung findet, um die eigene Vergangenheit besser begreifen zu können und neue Gedanken für eine neue Zukunft zu entwickeln.

TeilnehmerIm Herbst 2008 richteten wir erneut ein infolink Seminar aus. Es handelte sich dabei mit der „Traumreise“ um Seminar 4 des infolink Seminarzyklus, das zum ersten Mal veranstaltet wurde.

Dieses Seminar richtet sich an Menschen, deren Ausstieg schon einige Zeit zurückliegt. Für viele der Aussteiger erscheint die eigene Zeit in der Sekte wie ein Fremdkörper im eigenen Lebenslauf.

Das Netzwerk Sektenausstieg arbeitet dabei mit Dieter Rohmann zusammen. Er ist Diplom-Psychologe und zählt zu den wenigen Therapeuten, die sich ganz gezielt mit der Sektenproblematik befasst haben. Er gibt in diesem Seminar praxisorientierte und individuelle Hinweise zum konstruktiven und positiven Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

Medienarbeit

Infolink Services bedeutet darüber hinaus, auch in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv zu sein. So konnten wir im Jahr 2008 wieder zahlreiche Medienvertreter mit Hintergrundmaterial aus der Sektenszene versorgen.

Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Beiträge im „Magazin“, in der Bella und der Bravo Girl. Auch im Zusammenhang mit dem Drama im Licher Krankenhaus leisteten wir Unterstützung bei der Recherche.

Schule und Bildung

Außerdem haben Mitglieder unseres Vereins zahlreiche schulische und weiterführende Bildungsmaßnahmen unterstützt.



 

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