| Raus aus System der Fremdbestimmung |
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| Geschrieben von: Micha |
| 21. Februar 2006 |
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Netzwerk Sektenausstieg organisierte Treffen ehemaliger Zeugen Jehovas Raus aus System der FremdbestimmungâAussteiger werden als AbtrĂŒnnige isoliertâ - GemeinnĂŒtziger Verein bietet Beratung âWer aus einer Sekte aussteigt, steht vor vielen Problemen. AuĂerdem ist der Betroffene zum Teil vollstĂ€ndig sozial isoliert.â Das Netzwerk Sektenausstieg möchte deshalb Ausstiegswilligen hilfreich zur Seite stehen und sie psychisch auffangen und betreuen. Am Samstag fand auf Initiative dieses bundesweiten Netzwerks zum ersten Mal ein Treffen ehemaliger Zeugen Jehovas in Straubing statt. Denn fĂŒr die Organisatoren des Treffens steht auĂer Frage, dass es sich bei den Zeugen .Jehovas tatsĂ€chlich um eine Sekte handelt â âeine Endzeit- und Bibelsekteâ. Rund 20 Interessierte aus dem weiten Umkreis, darunter auch Ăsterreicher, kamen zu der Zusammenkunft, um von ihren Erfahrungen zu erzĂ€hlen und UnterstĂŒtzung anzubieten. Vorneweg machen die Veranstalter deutlich, dass sie keinesfalls Stimmung gegen die Zeugen Jehovas machen wollten. âWir legen Wert auf Ehrlichkeit und Fairnessâ, sagt eine 41-jĂ€hrige Straubingerin, die zehn Jahre lang bei den Zeugen Jehovas war und die Gemeinschaft vor fĂŒnf Jahren verlassen hat. âIch stehe zu meiner Entscheidungâ, betont sie und fĂŒgt an: âIch hege keinen Hass und möchte niemandem schaden.â Doch sie wisse, welche Isolation ein Ausstieg bedeute und möchte Menschen, die sich in einer Ă€hnlichen Situation befinden, nicht alleine lassen. âDen Zeugen Jehovas wird der geringste Kontakt zu Aussteigern unter Androhung des Ausschlusses sowie der sozialen Achtung strengstens untersagt. Auch wenn es sich dabei um Familienmitglieder handeltâ, verdeutlicht ein 48-jĂ€hriger Franke, der sich ebenfalls vor einigen Jahren losgesagt hat. Die Wachturmgesellschaft â so nennt er die Zeugen Jehovas â hefte Aussteigern das diskriminierende Etikett âAbtrĂŒnnigerâ an. âMan wird regelrecht dazu konditioniert, bei Kontakt zu ehemaligen Zeugen Jehovas mit schweren Schuld- und AngstgefĂŒhlen zu reagierenâ, beschreibt er. Einsamkeit und SchuldgefĂŒhle Damit erklĂ€re sich auch die Ă€uĂerst problematische Situation, in der sich ein Aussteiger befinde. Das komplette soziale Umfeld breche zusammen, Einsamkeit und Isolation seien die Konsequenz und hĂ€tten schon manchen Betroffenen in den Selbstmord getrieben. âMan hat noch lange das GefĂŒhl, Gott verraten zu haben und verdammt zu seinâ, schildern die Ehemaligen. Zu den nagenden SchuldgefĂŒhlen komme die Angst, sich in der Gesellschaft, die einem jahrelang als âWelt des Satansâ verkauft worden sei, wieder zurechtzufinden. âViele Aussteiger berichten von ihrer UnfĂ€higkeit zur Selbstbestimmungâ, schildert ein Mann. Das sei schlieĂlich der Kern des kompletten Systems, auf dem die Zeugen Jehovas basierten, fĂ€hrt er fort: âEs ist ein System der Bewusstseinskontrolle. Die Mitglieder werden manipuliert und merken es nicht. Sie sind fremd- bestimmt." Die Straubingerin schildert, dass sie sehr viele nette Menschen bei den Zeugen Jehovas kennengelernt habe und es ihr leid tue, dass diese keinen Kontakt mehr zu ihr halten dĂŒrften. âIch will Ihnen nichts Böses. Aber ich stehe nun mal zu meiner Entscheidung.â Sie selbst sei nach ihrem Ausstieg von einem intakten Umfeld aufgefangen worden: âDas war mein GlĂŒck." Denn viele wurden aufgrund der schmerzhaften Isolation wieder in die Gemeinschaft zurĂŒckgehen, die weltweit 6,5 Millionen Mitglieder zĂ€hlt. Plattform im Internet Um Ausstiegswilligen ein Forum zu bieten, kam 1997 ein Ex-Zeuge Jehovas auf die Idee, eine Internetseite einzurichten. Immer mehr Ehemalige tauschten sich dort aus, bis man 2003 den 500000. Besucher auf der Website zum Anlass nahm, das erste Treffen zu arrangieren. âEs war, als ob man seine totgeglaubte Familie nach langer Zeit wieder gefunden hĂ€tteâ, erinnert sich der 48-jĂ€hrige Franke bewegt. âEndlich gab es GesprĂ€chspartner, die verstanden, was man sagte.â Aktuell zĂ€hle das Diskussionsforum im Internet 1,7 Millionen Besucher. 2004 wurde das Netzwerk Sektenausstieg als gemeinnĂŒtziger Verein gegrĂŒndet. Monatlich treffen sich Ortsgruppen in bislang 14 StĂ€dten und Gemeinden in Deutschland und Ăsterreich. Hauptanliegen sei dabei die Beratung und Betreuung von Aussteigern und Ausstiegswilligen. âDabei ist es uns ĂŒbrigens egal, um welche Sekte es sich handelt.â Der 48-jĂ€hrige Franke weiter: âAuf unserer Website finden sich neben Erfahrungsberichten auch Dokumentationen, die sich auf die Originalliteratur der Wachturmgesellschaft stĂŒtzen.â Als Beispiel zitiert er einen Auszug aus dem âWachturmâ vom 15. Dezember 1981, Seite 24/Absatz 27: âWenn er aber nicht aufhört, Gemeinschaft mit dem Ausgeschlossenen zu pflegen, âhat er an den bösen Werken teilâ und muss aus der Versammlung entfernt oder ausgeschlossen werden.â Keine Angst vor Aggressionen Angst vor Handgreiflichkeiten oder Aggressionen haben die Betroffenen allerdings nicht, wie sie unterstreichen. âDie Zeugen Jehovas, die ich kenne, sind durchwegs aufrichtige Leute, die nach der Bibel leben wollenâ, meint eine Straubingerin. Doch mit diesem System, das einem die Freiheit nehme, sei sie nicht klargekommen. âDas Schlimme ist: So lange sie selbst drinstecken, merken es die meisten nicht.â Am Ende eines langen Abends war klar: Das war nicht das letzte Treffen ehemaliger Zeugen Jehovas in Straubing. Wer sieh nĂ€her ĂŒber die Arbeit des Netzwerks Sektenausstieg informieren möchte, findet Details im Internet unter www.sektenausstieg.net Straubinger Rundschau 20.2.2006 |