| Joseph Smith - Autor oder Übersetzer? |
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| Geschrieben von: EBI Sachsen e.V. |
| Dienstag, den 20. Dezember 2005 um 01:00 Uhr |
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Im ersten Moment erscheint die Frage, ob Joseph Smith der Autor oder Übersetzer des Buches Mormon war, etwas aus der Luft gegriffen. In Ermangelung eines Originals und der widersprüchlichen Darstellungen der mit Joseph zu dieser Zeit bekannten Personen ist es allerdings erstaunlich, mit welcher Einseitigkeit viele der Wiederherstellungskirchen die Entstehungsgeschichte des Buches Mormon darstellen. Die Fragestellung findet bereits mit dem ersten Blick auf die Titelseite der Erstauflage des Buches Mormon ihre Berechtigung. Dort wird in großen Buchstaben verkündet: „von Joseph Smith, jun., Autor und Eigentümer.“ Dieser Anspruch wurde in der zweiten Auflage im Jahre 1837 nicht aufrechterhalten.
Joseph Smith schaltete diese Anzeige am 19. März 1830 im Palmyraer Wayne Sentinel, die das Erscheinen des Buches Mormon ankündigt. Darin wird der Text der Titelseite in genau dem gleichen Wortlaut wiedergegeben, wie er im Buch selbst erschien. Joseph Smith wird als Autor und Eigentümer des Buches Mormon erwähnt. Gewinn erwartet? Die Bezeichnung ’Autor und Eigentümer‘ war zu dieser Zeit nicht ungewöhnlich. Autoren unterstrichen damit ihre Ansprüche am Geistesgut des von ihnen Geschriebenen. Diese Ansprüche waren schon damals vorzugsweise pekuniärer Natur. Die Anzeigen vom 19. und 26. März im Wayne Sentinel verweisen ausdrücklich auf den Umstand, daß das Buch zum Verkauf bereitstehe. Das Copyright zum Buch wurde frühzeitig gesichert. Am 11. Juni 1829, also noch vor Fertigstellung des Manuskripts, ließ Joseph Smith dieses Recht an einem New Yorker Distriktsgericht auf seinen Namen eintragen. Die Urkunde gibt ihn ausdrücklich als Autor des Buches aus. Die auf der Urkunde enthaltene Titelseite enthält ebenfalls die Phrase „von Joseph Smith, jun., Autor und Eigentümer.“ Wenn Josephs spätere Angaben, nämlich lediglich Übersetzer des Buches Mormon zu sein, zutreffend sind, so muß er sich doch die Frage gefallen lassen, warum er in allen Dokumenten angab, der Autor des Werkes zu sein. Für die 5 000 Exemplare der Erstausgabe wurde mit Egbert B. Grandin ein Gesamtpreis von 3 000 Dollar für Drucken und Binden vereinbart. Martin Harris, der von Joseph Smith die göttliche Anweisung zur Finanzierung des Unternehmens erhielt (LuB 19:26), verpfändete seine Farm als Sicherheit – sehr zum Leidwesen seiner Frau. Joseph Smith's Vater räumte Martin Harris am 16. Januar 1830 das Recht ein, selbst Exemplare der Erstauflage verkaufen zu dürfen, aber nur bis zur Erreichung der Summe, die den Druckkosten entspricht. Der erwartete Durchbruch beim Verkauf des Buches Mormon blieb aus. Martin Harris' Farm wurde 1831 öffentlich versteigert, damit Grandin das vereinbarte Honorar für den Druck erhalten konnte. Somit trug Harris den Großteil der Kosten für die Erstauflage. Zu dumm zum Schreiben? Von zeitigen Kritikern der Kirche wurde der Umstand der geringen Schulbildung Joseph Smiths als Beweis für den von ihm begründeten Unsinn angeführt. Der gleiche Umstand wird noch heute von Apologeten als Beweis für die göttliche Intervention bei der Entstehung des Buches Mormon benutzt. Diese Betrachtung übersieht jedoch die zahlreichen Belege, die für die besonderen Fähigkeiten Joseph Smiths sowie eine Entwicklung der Entstehungsgeschichte sprechen. Am 14. und 28. Februar 1831 erschienen im Palmyraer Reflector jeweils Artikel aus einer Serie über Joseph Smith und sein Buch Mormon mit dem folgenden Inhalt, respektive: „ ...Man wird sich erinnern, daß an göttliche Intervention zu dieser Zeit nicht im Traum zu denken war ...“ Nicht aus der Erfahrung heraus, sondern in Auswertung der vorliegenden Fakten, bringt Siebziger Brigham H. Roberts fast einhundert Jahre später das Talent Joseph Smiths auf den Punkt: „Ein weiteres Thema bleibt in diesem Abschnitt dieser ’Studie‘ zu erörtern, nämlich – besaß Joseph Smith eine ausreichend lebhafte und kreative Vorstellungskraft, um solch ein Werk wie das Buch Mormon aus solchem Material herzustellen, wie es in den vorhergehenden Kapiteln angedeutet wurde – von dem Allgemeinwissen, wie es in den Gemeinden vorhanden war, in denen er seine Kindheit und Jugend verbrachte, der Bibel, und besonders View of the Hebrews von Ethan Smith? Daß solch eine Vorstellungskraft von hoher Ordnung sein muß sei eingeräumt; daß Joseph Smith eine solche Geistesgabe hatte kann nicht in Frage gestellt werden. Konnte Joseph Smith das Buch Mormon selbst geschrieben haben? Schon Jahre vor den Schreibarbeiten erzählte Joseph von den alten Bewohnern Amerikas. Die Platten waren für die ’Übersetzungsarbeiten‘ nur selten notwendig, der Inhalt entspricht dem Wissensstand des 19.Jahrhunderts und hält heutigen Erkenntnissen nicht mehr stand, sein Umgang mit Engeln war so gut wie niemandem bekannt und zur Zeit der Erstauflage wird er überall als Autor des Werkes benannt. War er nun Autor oder Übersetzer? |