Kumaré - Ein wahrer Film über einen falschen Propheten

Ein preisgekrönter Dokumentar- und Spielfilmregisseur namens Vikram Gandhi (Ja, Gandhi, aber nicht aus der Linie) plant ein Experiment: Das Kumaré-Experiment.

Vikram stammt aus einer religiösen Hindufamilie, die in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrierte. Da sie nicht wollten, dass ihre Kinder von den westlichen Werten verwässert werden, lag es der Familie sehr am Herzen, ihren Kindern die östlichen Traditionen nahe zu bringen.

So kam es, dass Vikram Gandhi in New Jersey mit hinduistischer Mythologie, indischer Philosophie und deren rituellen Handlungen aufwuchs.

Doch immer mehr begann er, den Sinn von Religion in Frage zu stellen. Er studierte, um spirituelle Antworten zu finden, sogar an der Columbia University Theologie, jedoch seine Zweifel blieben.

Als ihm Religion gleichgültig wurde, bemerkte er, dass sich seine US-amerikanischen Landsleute den Traditionen zuwandten, denen er entkommen wollte. Es entstand Yoga-Center an Yoga-Center - ein wahrer Boom, ein milliardenschweres Geschäft, die Botschafter dieser Bewegung nannten sich Gurus.

Vikram begann sich Fragen zu stellen.

  • Waren sie authentisch oder nur scheinheilig?
  • Vertrauten die Anhänger ihnen blind und unkritisch?
  • Wozu brauchte die Gesellschaft überhaupt spirituelle Führer?

So entstand die Idee zum Kumaré-Experiment, welches Vikram als Regiesseur und Hauptdarsteller realisierte. Er erfand die Figur Sri Kumaré, veränderte sein Aussehen und mit dem Akzent seiner Großmutter rundete er seinen fiktiven Guru ab und wurde zu einem erleuchteten Guru aus dem fernen Osten.

Er bereitete sich auf die Rolle vor indem er Yoga und Meditationen erlernte und praktizierte.

Sein Filmteam erstellte eine Internetseite, machte Werbespots und organisierte Gastauftritte in Yoga-Centern. Kirsten Calgaro, eine Yogalehrerin, und Pura Bedi, eine Tourmanagerin, unterstützen ihn dabei.

Jetzt hieß es eine Lehre zu erfinden, um Anhänger zu finden und seine Lehre zu verbreiten, die besagt man braucht keinen Guru, die Antworten stecken in uns selbst.

Vikram begab sich in die größte Lügengeschichte die er je erfunden hat und hat dabei die größte Wahrheit gefunden die er je erfahren hat.

Schnell fand er Anhänger verschiedenster Schichten und ihnen allen sagte er immer und immer wieder, dass er eine Illusion sei, nicht echt, ein Lügner, nur ein verkleideter Guru.

Sie glaubten ihm nicht, sie sahen das als seine Lehren an.

Er besuchte einen Akustik Theologen, Darrel und er sprach über seine Lehren. Vikram sagte ihm ganz offen "Meine Lehre besagt: es ist alles nicht echt, eine Lüge.“ Darrel begriff nicht und sah weiter was er sehen wollte. Später bearbeitet Darrel Vikram in seiner Therapie mit einer Poliermaschine, sowas sieht man auch nicht alle Tage.

Im weiteren Verlauf dieser Begegnung traf Vikram auf die Anhänger von Darrel, einen besuchte er zu Hause. Sie stehen an einem Altar, den Vikram aufgestellt hat, um ein Ritual mit ihm durch zu führen. Darauf standen drei eingerahmte Fotos: eines von Barack Obama, eines von Kumaré (Vikram) und eines von Osama Bin Laden. Es fiel ihm nichts auf, er wurde nicht stutzig. Wie kann das sein?

Beim Besuch von Avalons Garten oder Orden fragte ihn eine Dame "Mögen sie Filme?“ Er antwortete wahrheitsgemäß „Ja ich liebe Filme, ich bin Regiesseur“. Wieder wurde nur das in ihm gesehen was man sehen wollte.

Die Anhänger bringen wahrscheinlich ihr eigenes Bild, ihre eigenen Vorstellungen und ihr eigenes Konzept von einem Guru mit und übertragen das dann auf Vikram. Darum ist es egal was er sagt oder tut, alles wird in das Konzept des jeweiligen Anhängers integriert.

Ein unglaublich schöner, interessanter und humorvoller Dokumentarfilm, der zu recht den Publikumspreis beim SXSW-Festival in Texas gewonnen hat.