Good Bye, Lenin

Witzige, humorvolle Aufarbeitung des umgestürzten DDR-Regimes. Eine Mutter, die von der DDR-Diskette aus ganzem Herzen überzeugt war und deren Kinder, die um jeden Preis die Mutter während der Genesung schonen wollten, damit sie den Umsturz nicht mitkriegt. Absolute Sekten-Parallelen zum Lachen, zum Weinen, zum Verarbeiten der Sekten- und natürlich DDR-Vergangenheit.

Weiters finde ich es genial, dass einmal die putzigen Seiten der DDR gezeigt werden. Der Film ist für mich einer der besten, die ich jemals gesehen habe. Auch für Außenstehende, die nie in einer „Matrix“ lebten, ist er eine große Hilfe, um einen Ex-Sekti etwas besser zu verstehen. Eine der Schlussszenen werde ich nie vergessen: Als die junge Schwiegertochter in spe der zukünftigen Schwiegermutter (klasse gespielt von allen!) erklärt, was wirklich passiert ist. Die Schwiegermutter weint bitterlich und Du siehst, wie sie die Lippen formt zu dem Satz „das ist so schlimm“. Und die Schwiegertochter versucht sie zu trösten und sagt: „Nein, das ist nicht schlimm.“

Alex’ Mutter ist in der DDR groß geworden. Sie kannte nichts anderes. Als sie von ihrem Mann getrennt leben musste, zerbrach es ihr halb das Herz. Sie steigerte sich halt in ihre neue Rolle als DDR-Aktivistin hinein. Das ist zutiefst menschlich. Heute weiß ich das. Damals nicht. So wie sich oftmals ein Welti als Zeuge Jehovas taufen lässt, weil er gerade eine tiefschmerzliche Erfahrung machte (große Liebe ging in die Brüche, Ehescheidung, schlechte Kindheit, Arbeitslosigkeit pipapo). So wie sich viele von uns in den Predigtdienst hineinstürzten, um nicht viel Zeit zum Nachdenken zu haben, bis endlich das Paradies kommt.

Als Alex’ Mutter zu Hause krank im Bett lag und an ihrem Geburtstag auf dem gegenüberliegenden Wohnblock die Coca-Cola Werbung ausgerollt wurde, genügte als Erklärung eine einzige gefakte Nachrichtensendung. Bis dahin wurden die Vorhänge im Schlafzimmer zugezogen. Wie einfach konnte Alex seine Mutter mittels erfundener Nachrichten davon überzeugen, dass Coca-Cola schon immer ein Getränk der DDR sei respektive von DDR-lern erfunden worden ist. Bei Zeugen Jehovas geht das auch bestens: eine Wachtturmausgabe genügt und schon denkt das ganze Völkchen über dieses oder jenes so, als ob sie schon immer so darüber gedacht hätten.

Die ernste Herzerkrankung von Alex’ Mutter: Alex tut alles, um sie nicht aufzuregen. Er spielt ihr die DDR vor, obwohl es schon lange keine DDR mehr gibt. Einige Aussteiger leben auch aus Liebe und Respekt ihren Verwandten gegenüber die DDR, obwohl sie innerlich mit der Sache abgeschlossen haben.

Wenn ich „Good bye, Lenin!“ sehe, dann lasse ich meinen persönlichen Kampf, die Transformation anzunehmen, Revue passieren.