| Wie man Eltern lehrt, ihre Kinder zu beeinflussen |
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| Geschrieben von: Randall Watters |
| Freitag, den 03. September 2004 um 14:49 Uhr |
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Eine der Schlüsselrollen von Eltern in jeder Gesellschaft besteht darin, das Denken und Streben ihrer Kinder für die Zukunft zu formen. Eltern, die Zeugen Jehovas sind, werden ermahnt, besonders fest ihre Kinder von unnötigen Kontakten mit der "Welt" abzuhalten, damit sie mehr Zeit dem Werk der Verbreitung der Wachtturm-Lehre widmen. Seit dem Anfang des Wachtturms im Jahre 1879 wurde den Lesern gesagt, das "Ende der Welt" stehe unmittelbar bevor, und dieses Ereignis wurde für die Jahre 1914, 1915, 1918, 1925 vorhergesagt; für 1941 und 1975 wurde es deutlich nahegelegt. Im Jahre 1941 wurde von der Wachtturm-Gesellschaft das Buch Children [Kinder] herausgegeben, in dem die beiden fiktiven Personen John und Eunice auf ihren Kinderwunsch verzichten, um in der kurzen Zeit vor dem Ende von Tür zu Tür zu gehen. Seither sind Jahrzehnte vergangen, John und Eunice sind immer noch kinderlos und jetzt über 70 Jahre alt, und die Welt hat noch immer nicht geendet. Doch auch heute noch ermuntert der Wachturm Jugendliche, Karrieren zu opfern und selbst auf das Heiraten zu verzichten, wenn sie das in der "kurzen Zeit, die noch vor dem Ende verbleibt", erfolgreicher macht. Welche Zukunft wird Jugendlichen heute in der Zeugen-Subkultur geboten? Nach außen möchte die Wachtturm-Gesellschaft das Bild glücklicher, normaler Jugendlicher in ihrer Organisation vorweisen. Obwohl viele Jugendliche bei den Zeugen gut angepaßt zu sein scheinen und nach normalen Dingen streben, haben diejenigen, die man in den Versammlungen als Vorbilder hochhält, oft Probleme in ihrem Privatleben; manche führen, moralisch gesprochen, sogar ein Doppelleben. Welche Zukunft wird für Jugendliche heute von ihren Führern bereitgehalten? DasBild nach außen hin ist in der Broschüre der Wachtturm-Gesellschaft Preparing for Child Custody Cases [Vorbereitung auf Sorgerechtsfälle bei Kindern] gut dokumentiert (die Broschüre wird von den Rechtsabteilungen der Gesellschaft als Hilfe in Sorgerechtsfällen verteilt; da die deutsche Ausgabe nicht zur Verfügung stand, folgt eine eigene Übersetzung des englischen Textes). Sie fordert dazu auf, daß der vorsitzführende Aufseher "geistig gesinnte" junge Zeugen aus der Ortsversammlung auswählt, um zu "zeigen, daß sie normal sind". Die Broschüre warnt mit einer Aufzählung: "Sei vorsichtig, daß sie nicht den Eindruck gewinnen, sie befänden sich in einer Demonstration auf einem Kreiskongreß, wo sie zeigen würden, daß die wichtigsten Dinge im Leben der Dienst [das Predigen von Tür zu Tür] und der Besuch im Königreichssaal sind. Zeige Hobbys, handwerkliche Fähigkeiten, soziale Tätigkeiten, Sport und besonders Zukunftspläne. Sei vorsichtig, damit sie nicht alle sagen, sie wollten Pioniere [Vollzeitevangelisten von Tür zu Tür] werden. Pläne können sein: Beruf, Heiraten und Kinder bekommen, Journalismus und alles mögliche andere. Vielleicht kannst du ein Interesse an Kunst und Theater vorweisen." (engl., Seite 43) Auf einem Kreiskongreß der Zeugen (einer großen religiösen Zusammenkunft) würde ein Jugendlicher wahrheitsgemäß darauf hinweisen, daß seine erstrangigen Interessen religiöse sind. Vor Gericht jedoch, so rät man Jugendlichen, sollten sie "normale" Tätigkeiten und eine "normale" zukünftige Karriere herausstellen. Statt vom Pionierdienst sollten sie von normalen Interessen sprechen, die auch andere Kinder haben, wie z.B. Journalismus, Kunst und Theater usw. So stellt die Wachtturm-Gesellschaft ein Bild für die Öffentlichkeit heraus (unsere Kinder sind so wie andere auch) und ein anderes im Königreichssaal (wir opfern Karrieren und persönliche Wünsche, um andere mit der Dringlichkeit der Wachtturm-Botschaft zu warnen). Es folgen einige Zitate aus der Zeugen-Literatur, die zeigen, was man Jugendliche durch Beispiele und direkte Aussagen lehrt. Der in eckige Klammern gesetzte Text soll die Bedeutung erhellen oder erklären. Über die Nähe der Neuen Welt: "Vor allem aber stärkt diese Zeitschrift das Vertrauen in die Verheißung des Schöpfers, eine neue Welt herbeizuführen, die binnen kurzem das gegenwärtige böse und gesetzlose System der Dinge ablösen wird ..." [Diese Aussage erscheint vor jedem Impressum der Zeitschrift Erwachet! bis 1995] [Ein jugendlicher Zeuge aus Frankreich namens Samuel wird wohlwollend zitiert:] "Ich stelle mir die Welt im Jahre 2000 als ein wunderschönes Paradies vor. Aber ich denke, daß weder die heutige Welt noch ihre Herrscher dies erleben werden ... Wir leben in den letzten Tagen des gegenwärtigen Systems." Erwachet!, 8. November 1986, Seite 7-8 Von höherer Schulbildung wird abgeraten: "Wenn du ein junger Mensch bist, so mußt du dir auch über die Tatsache im klaren sein, daß du in diesem gegenwärtigen System der Dinge nie alt werden wirst. Wieso nicht? Weil alle Beweise in Erfüllung biblischer Prophezeiungen anzeigen, daß dieses verderbte System in einigen wenigen Jahren enden soll. Über die Generation, die den Beginn der 'letzten Tage' im Jahre 1914 miterlebte, sagte Jesus voraus: 'Diese Generation wird auf keinen Fall vergehen ..., bis alle diese Dinge geschehen.'" "Als junger Mensch wirst du daher nie das Ende einer Laufbahn erreichen, die dir dieses System bietet. Wenn du zum Beispiel zur Mittelschule gehst und eine Hochschulbildung in Erwägung ziehst, so bedeutet das wenigstens vier, vielleicht auch sechs oder acht weitere Jahre bis zum Abschluß in einem besonderen Fach. Aber wo wird sich dieses System der Dinge dann befinden? Es wird auf seinem Weg zu seinem Ende weit vorangeschritten sein, wenn es nicht sogar schon verschwunden sein wird!" "Darum finden es Eltern, die ihr Leben nach Gottes prophetischem Wort ausrichten, viel nützlicher, ihre Kinder einen Beruf erlernen zu lassen, der nicht eine so lange Studienzeit erfordert..." "Zwar werden diejenigen, die nicht verstehen, wo wir uns von Gottes Standpunkt aus im Strom der Zeit befinden, sagen, dies sei unpraktisch. Aber was ist wirklich praktisch: sich auf eine Stellung in dieser Welt vorzubereiten, die bald vergehen wird, oder darauf hinzuarbeiten, das Ende dieses Systems zu überleben und ewiges Leben in Gottes neuer Ordnung zu erlangen?" Erwachet!, 22. August 1969, Seiten 15, 16. [Auch wenn dies bereits 1969 geschrieben wurde, stimmt man dieser Politik, wie aus den folgenden Zitaten zu sehen ist, immer noch zu.] In dem Buch Fragen junger Leute -- Praktische Antworten wird unter "Welche Laufbahn sollte ich einschlagen?" auf den Seiten 175-178 folgendes gesagt: "Tausende verzichten zugunsten des Vollzeitpredigtdienstes auf eine Ganztagsbeschäftigung. Andere dienen als Missionar oder in einem Zweigbüro der Watch Tower Society." "Würde dich ein Hochschulstudium deinen christlichen Zielen näher bringen oder davon entfernen? Denke daran: Ein hohes Einkommen ist für Christen nicht das Wichtigste." "Erwäge daher deine Laufbahn sorgfältig, und mache die Wahl zum Gegenstand deiner Gebete. So kannst du eine Laufbahn einschlagen, die dich nicht nur glücklich macht, sondern bei der du auch 'Schätze im Himmel aufhäufen' kannst." "Vielleicht ist nicht unbedingt ein langjähriges Studium nötig, damit deine Eltern zufrieden sind. In einigen Ländern akzeptieren beispielsweise viele Arbeitgeber auf dem Facharbeits- oder Dienstleistungssektor eine Zusatzausbildung, die in relativ kurzer Zeit erworben werden kann." Nachdem auf mehreren Seiten von einer Universitätsausbildung abgeraten wird, kommt das Buch dann zu dem Schluß: "Viele christliche Jugendliche haben sich daher gegen eine Hochschulausbildung entschieden. Wie so mancher festgestellt hat, war ihm die Schulung in den Zusammenkünften derZeugen Jehovas -- besonders in der wöchentlichen "Theokratischen Predigtdienstschule" -- bei der Arbeitssuche eine echte Hilfe." Am Ende dieses Kapitels stehen fünf Fragen, die den Tenor der Argumentation in diesem Buch deutlich machen: "Warum trägt eine Karriere meist nicht zum Glück bei? Warum sollten alle gottesfürchtigen Jugendlichen eine Laufbahn als Vollzeitdiener ins Auge fassen? Welche Vorteile mißt man der höheren Bildung bei? Trifft das immer zu? Welche Gefahren können mit einer Hochschulausbildung verbunden sein? Welche Alternativen könnte man in Betracht ziehen?" Im Wachtturm vom 15. April 1986 (Seite 28-30) werden junge Zeugen angesprochen: "Wenn du über deine Zukunft nachdenkst, werden dir bestimmt verschiedene Fragen in den Sinn kommen. Soll ich studieren und eine Laufbahn als Arzt, Rechtsanwalt oder Wissenschaftler anstreben? Träume ich von einer Karriere bei einer Firma, und möchte ich nach finanziellem Erfolg und nach Anerkennung streben? Möchte ich mir als Künstler einen Namen machen, vielleicht als Schauspieler oder als Maler? Oder sollte ich, da ich mich Jehova Gott hingegeben habe, den Vollzeitdienst zu meiner Laufbahn machen..." "Was wirst du als Jugendlicher aus deiner Zukunft machen? Wirst du persönlichen Zielen nachstreben, oder wirst du dich ganzherzig für Jehova einsetzen? (Römer 14:8). Erwäge jetzt, in jungen Jahren, gebetsvoll das Ziel des Vollzeitdienstes. Ahme Jesus nach, und lebe dein weiteres Leben 'nach dem Willen Gottes' (1. Petrus 4:2). Das wird sich als ein Schutz vor schädlichem Streben nach einer weltlichen Karriere und vor schlechter Gesellschaft erweisen. Prüfe deine Verhältnisse, und setze dir ein bestimmtes Datum, wann du den Vollzeitdienst aufnehmen wirst. Arbeite darauf hin. Bete um die Hilfe Jehovas, dein Ziel zu erreichen." Eine Laufbahn im Wachtturm-Dienst vorbereiten, ehe man die Schule verläßt: "Den begrenzten Wert sportlicher Betätigung und den unübertrefflichen Nutzen der Gottergebenheit gegeneinander abzuwägen wird dir helfen, ausgeglichene Entscheidungen zu treffen, was das Freizeitangebot der Schule betrifft." "Wie wäre es damit, Zeit einzusetzen, um anderen in geistiger Hinsicht zu helfen? Interessanterweise beginnen einige jugendliche Zeugen Jehovas in Japan, den Predigtdienst zu ihrer Laufbahn zu machen, während sie noch zur Schule gehen. Sie kaufen die Zeit vor und nach dem Unterricht aus, um anderen zu helfen, den Schöpfer kennenzulernen." [Aus dem Artikel "Wie steht es mit dem Freizeitangebot der Schule"; Erwachet!, 8. Dezember 1986, Seite 18. Von Tätigkeiten außerhalb des Stundenplans wird abgeraten, der Tür-zu-Tür-Dienst vor und nach der Schule wird empfohlen.] Das Singleleben wird positiv hervorgehoben: Kinderlosigkeit wird positiv hervorgehoben: Es gibt bei der Wachtturm-Gesellschaft keine Regelungen bezüglich Elternschaft. Es heißt, die Entscheidung, Kinder zu bekommen, sei eine persönliche Angelegenheit. Aber man erinnert Ehepaare an das bevorstehende Ende und lobt Personen, die sich dazu entschlossen haben, "um des Königreiches willen" kinderlos zu bleiben, um einen volleren Anteil an den religiösen Tätigkeiten der Zeugen zu haben. Eltern werden ermuntert, für ihre Kinder den Pionierdienst statt einer Hochschulausbildung als Ziel zu setzen: Im Königreichsdienst vom Mai 1973 wurde unter der Überschrift "Ermunterung durch Eltern ist eine Hilfe" auf Seite 6 gesagt: Von einer Theaterkarriere für Zeugen abgeraten In Erwachet! vom 8. November 1983 (Seiten 23, 24)stand das folgende Zeugnis eines Schauspielers, der seinen Beruf an den Nagel hängte, nachdem er sich zu den Zeugen bekehrt hatte: Von einer Malerkarriere wird abgeraten Im Wachtturm vom 15. Juni 1981 (Seite 10) wurde der Bericht eines Kunststudenten veröffentlicht, der mit dem Eintritt bei den Zeugen sein Malereistudium aufgab: Von einer Musikerkarriere wird abgeraten Die Zeitschrift Erwachet! vom 8. August 1985 (Seiten 16, 17) veröffentlichte die Aussage von William Mullane, der die weltberühmte Juilliard-Schule in New York City verließ, nachdem er begonnen hatte, mitden Zeugen zu studieren. Schließlich nahm er den "Betheldienst" auf und arbeitete ganztags in der Wachtturm-Weltzentrale in Brooklyn, New York. Bethelmitarbeiter haben Kost und Logis frei und erhalten nominell eine monatliche "Zuwendung", um sich notwendige Dinge zu kaufen. Mullane erklärt: |